Winterreifen

  • Hallo alle noch im Winterschlaf befindliche oder bereits schon wieder F-Fahrende,


    durch Zufall habe ich die Tage davon erfahren, dass es seit einiger Zeit eine Winterreifenpflicht für Motorräder gibt.
    Habe dann mal das Internet bemüht, aber da fand ich nur, dass man bei Eis oder Schnee mit Winterreifen fahren soll.
    Ein Bekannter mit erst vor kurzem gemachtem Führerschein meinte, er hat gelernt, dass man schon unter 7 Grad Celsius mit Winterreifen fahren muss.


    Was ist Eure Meinung? Dann gibt es ja auch noch den Aspekt der Versicherung, ob die sich bei einem Unfall unter 7 Grad erfolgreich von Zahlungen drücken kann.
    Abgesehen von der Tatsache, dass ich bei Eis uns Schnee sowieso nie fahren würde, weil es keinen Spaß macht, aber bei 5 bis 7 Grad bin ich wahrscheinlich schon öfters unterwegs.


    Liebe Grüße
    Kristopher

  • Bei solchen Sachen lohnt sich immer ein kurzer Blick in Gesetze und Verordnung.


    In diesem Falle §2 Abs 3a StVO https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__2.html


    Zitat


    Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, die die in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31. März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage (ABl. L 129 vom 14.5.1992, S. 95), die zuletzt durch die Richtlinie 2005/11/EG (ABl. L 46 vom 17.2.2005, S. 42) geändert worden ist, beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S-Reifen). Kraftfahrzeuge der Klassen M2, M3, N2 und N3 im Sinne der Anlage XXIX der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung in der Fassung vom 26. April 2012 (BGBl. I S. 679) dürfen bei solchen Wetterverhältnissen auch gefahren werden, wenn nur an den Rädern der Antriebsachsen M+S-Reifen angebracht sind. Satz 1 gilt nicht für Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft sowie für Einsatzfahrzeuge der in § 35 Absatz 1 genannten Organisationen, soweit für diese Fahrzeuge bauartbedingt keine M+S-Reifen verfügbar sind. Wer ein kennzeichnungspflichtiges Fahrzeug mit gefährlichen Gütern führt, muss bei einer Sichtweite unter 50 m, bei Schneeglätte oder Glatteis jede Gefährdung Anderer ausschließen und wenn nötig den nächsten geeigneten Platz zum Parken aufsuchen.


    Wie man sieht nicht mit Temperatur. Die Sache mit der Temperatur ist eine allgemeine Empfehlung, da Winterreifen eine weichere Gummimischung haben,die optimal für diese tiefern Temperaturne sind. Sommerreifen haben dagegen eine Gummimischung die für höhere Temperaturn optimal ist.


    Bei Motorräderen gibt es M+S Reifen, die dem Text der Verordnung genüge tun, sowie auch spezielle Wintterreifen welchen nebst M+S Kennzeichung eben auch noch die gewünschte, weichere Gummimischung (vielfach Silikat-Zusatz) haben. Bsp: Heidenau K60 M+S Silica gegenüber den normalen K60 Scout.



    PS: Ein Motorrad ist Klasse L irgendwas.

  • Hallo Kristopher,

    durch Zufall habe ich die Tage davon erfahren, dass es seit einiger Zeit eine Winterreifenpflicht für Motorräder gibt.

    Als die Vorschrift eingeführt wurde, ging das ja durch die Medien, eigentlich sollte man das nicht zufällig erfahren, aber wie bei allen Gesetzesänderungen werden die Betroffenen nicht durch Anschreiben auf Gesetzesänderungen aufmerksam gemacht. Die Mitstreiter haben Dir ja schon herausgesucht, wie die Regelungen genau lauten und dass sie nicht speziell für Motorräder gelten.


    Ein Bekannter mit erst vor kurzem gemachtem Führerschein meinte, er hat gelernt, dass man schon unter 7 Grad Celsius mit Winterreifen fahren muss.

    An der 7-Grad-Grenze orientierte Bereifung ist nur eine Empfehlung, keine Vorschrift. In der Fahrschule werden ja nicht Gesetzestexte auswendig gelernt, sondern es geht allgemein um das richtige Verhalten.


    Dann gibt es ja auch noch den Aspekt der Versicherung, ob die sich bei einem Unfall unter 7 Grad erfolgreich von Zahlungen drücken kann.

    Dafür gibt es wie gesagt keine gesetzliche Handhabe. Sonst müsste man auch andere potentiell gefährlichere Situationen wie Fahren bei Dunkelheit oder Nässe anders bewerten. Somit gilt bei Kälte das, was auch bei anderen Widrigkeiten gilt: Man muss das Fahrverhalten anpasssen, an das eigene Fahrkönnen, ans Können des Fahrzeugs natürlich Wetter und Verkehrslage.
    Ich selber habe auf meiner F800GS mit M+S nach den Bestimmungen wegen des Profils als Winterreifen qualifizierte Reifen, aber sie haben kein "Wintergummi"; trotzdem fahre ich auch bei unter 7 Grad, entsprechend vorsichtig, wie sonst aber auch.


    Dann gibt es ja auch noch den Aspekt der Versicherung, ob die sich bei einem Unfall unter 7 Grad erfolgreich von Zahlungen drücken kann.

    Die Versicherung kann sich unter diesen Umständen nicht auf eine gesetzliche Regelung berufen, aber natürlich könnte mit dem gesunden Menschenverstand argumentiert werden - zum Thema Bekleidung gab es solche Diskussionen ja schon. Ich glaube kaum, dass witterungsbedingte Winterunfälle bei Zweirädern Anlass für die Winterreifenpflicht waren, da dürften eher die Vierräder im Auge gewesen sein.


    Und wenn sich Bundestag und Rat endlich mal durchringen diese Pflicht wieder abzuschaffen.

    Ich bin nicht sicher, ob die Herren da die Themenschwerpunkte richtig setzen. Dennn wenn die Bestimmungen der Winterreifenpflicht greifen, fährt man besser nicht Motorrad. Was nicht heißt, dass ich in meiner langen Motorradkarriere nicht doch schon mal unter solchen Bedingungen gefahren wäre. Dann aber nicht des Nervenkitzels wegen, sondern eher unfreiwillig vom Wetter überrascht. Ein Gesetz gegen Schneelfall und Eisbildung wäre da hilfreicher.


    Eckart