G650GS - Drehzahlmesser spinnt

  • Ich habe das bei einem so komplexen Kabelbaum wie am Motorrad noch nie gemacht aber an meiner Simson damals: das betroffene Kabel vorne und hinten abschneiden und komplett im Kabelbaum "lösen" (also es darf nicht irgendwo mit Kraft angebunden oder angeklebt sein), das neue Kabel an einem Ende fest mit dem anderen verbinden (viele Schichten Isoband helfen da weiter) und dann das alte raus ziehen und das neue damit rein. Dann sparst du dir immerhin, den ganzen Kabelbaum zu zerlegen.

    Auch könntest du mal probieren, ein anderes Kabel vorübergehend als Brücke zwischen Steuergerät und Tachoeinheit rein zu ziehen (ohne das vermutlich defekte Kabel zu entfernen). Theoretisch sollte der Fehler dann nicht mehr auftreten.

    Nur mal als sanity check: habt ihr dein Tacho auch mal in seinem Motorrad ausprobiert? Dürfte nichts sein aber man weiß ja nie.

  • Hallo Reiner,

    Natürlich habe ich die Tachoeinheiten nur bei ausgeschalteter Zündung gewechselt

    Nur mal vorweg: Da es Stromkreise gibt, die auch bei ausgeschalteter Zündung versorgt werden, auch an Tacho und Steuergerät, wäre der sichere Weg gewesen, die Batterie während der Umbauarbeiten abzuklemmen. Da sich aber nicht verändert hat, scheint das unerheblich gewesen zu sein.

    Fehler tritt auch mit dem Tacho meines Kumpels auf

    Ich folgere aus meinem neuesten Test, dass der Tacho als Fehlerquelle auszuschliessen ist

    Das würde ich auch so sehen.

    Aber:

    Meine Vermutungen zur weiteren Fehlersuche konzentrieren sich jetzt auf den Kabelstrang, und hier konkret auf das Kabel des Pin 12 (lt. Plan schwarz/grün), vom Stecker der Tachoeinheit, bis zum Steuergerät

    In Ermangelung einer besseren Idee und auch ohne mich ins Schaltbild vertieft zu haben, will ich eins zu bedenken geben:

    Da offenbar die Anwesenheit oder Abwesenheit des Tachos von Einfluss war, nicht aber die des Kabelbaums (den hattest Du ja nicht ausgebaut), spricht nicht unmittelbar etwas für einen Fehler des Kabelbaums (aber auch nichts dagegen). Meine Befürchtung wäre nämlich, dass die aufwändige Maßnahme

    den kompletten Kabelstrang von oben her zu öffnen

    unter Umständen nichts bringt.

    Zwei Überlegungen:

    1. Ein Signal, das für den Betrieb des Motors nötig ist, ist so schwach, dass es die Motorsteuerung nur verarbeiten kann, wenn nicht noch eine zusätzliche Last dran hängt.
    2. Es gibt einen Massefehler, infolgedessen der Tacho die erwähnten Signale verfälscht.

    Zu 1: Durch einen Fehler des Gebers oder des Steuergeräts ist die Spannung des Signals zu klein oder es ist zu hochohming (Fehler in der Elektronik oder Übergangswiderstand einer Steckverbindung) und seine Spannung bricht bei Belastung zusammen.


    Zu 2: Wenn durch einen Massefehler der Tacho nicht auf Masse sondern auf einem höheren Potential liegt, können seine Eingänge die Signalpegel begrenzen und genau solche Effekte hervorrufen. Meist bedeuten solche Fehler aber auch, dass die jeweilige Einheit - hier: der Tacho - nicht richtig arbeiten, aber man kann Fälle konstruieren, in denen es trotzdem noch klappt, vor allem, wenn die Masse nicht komplett fehlt, sondern z. B. infolge eines Übergangswidertands zu hoch ist.


    Derartige Fehler können im Kabelbaum, sein, sie müssen es aber nicht.

    Gibt es noch andere Möglichkeiten, bevor ich den gesamten Kabelbaum zerpflücke?

    Einen Massefehler des Tachos könnte man durch ein Messen der Spannung am Massepin gegenüber einer bekannten Masse (Minuspol der Batterie) ausschließen.


    Sonst fallen mir keine so richtig einfachen Möglichkeiten mehr ein. Ich will höchstens noch einmal an meine in einem früheren Beitrag angeregte Zwischenstecker-Methode erinnern, mit denen das Problemsignale eingrenzen kann. Allerdings hattest Du ja schon überlegt, welche Signale betroffen sein können.


    Man könnte versuchen, durch Spannungsmessungen an den kritischen Signalen mit und ohne angeschlossenen Tacho Anhaltspunkte für die Natur des Fehler zu bekommen, im einfachsten Fall einfach mit einem Multimeter, idealerweise mit einem Oszilloskop dynamisch ...


    Eckart

  • ein weiterer Vorschlag :


    1. Messstrategie erstellen, d.h. welche Messpunkte sind für den Fehler für mich von Interesse

    z.B. Cockpit Kabelbaum , KW Sensor Kabelbaum, Steckverbindungen , Bauteile ( Sensoren ) usw.

    Wie gesagt vorher eingrenzen ist hier wichtig um nicht überall vielleicht auch nutzlos zu messen.


    2. Tabelle erstellen - messen - Werte/Zustände eintragen. ( Durchgang ja/nein, Spannung , Widerstand usw. )


    3. dann zum Kumpel mit dem intakten Motorrad und die gleiche Messung exakt wiederholen.:whistle:


    4. Werte vergleichen - Auffälligkeiten ? :notworthy1:


    Das mit dem Hinweis von Eckart mit "leichtes Masseproblem" ist schon mal gut...


    Vielleicht kommt man ja so dem Fehler "systematischer" auf Spur ? :g:


    auch dem Hinweis von bmw aus einem anderen Thread würde ich mal nachgehen , denn hier hat es anscheinend geholfen.....


    sonst.....


    idealerweise mit einem Oszilloskop dynamisch ...


    :wave:


    Mac

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von macgyver ()

  • NEUIGKEITEN


    Bin heute endlich mal dazu gekommen, die Kiste ein wenig auseinander zu nehmen. Habe sämtliche Kabelbinder vom Hauptkabelstrang gelöst und die Kabel mit Lupe und Lampe sehr genau angeschaut. Insbesondere beim Handrad des Federbeins habe ich alles genau abgesucht. Allerdings alles ohne Befund.


    Dann habe ich unter der Sitzbank den Stecker vom Steuergerät abgezogen, und eine Scheuerstelle am Kabel entdeckt. Bei genauem Hinsehen konnte ich ein wenig Kupfer durchschimmern sehen. Die Stelle ist aber maximal 2 mm groß. Gescheuert hat die Stelle an meinem Magnetventil vom nachträglich eingebauten KÖS Kettenöler, und zwar hier am Metallgehäuse.


    Habe den Kabelbaum dann ca 20 cm komplett vom schwarzen Klebeband befreit und so sieht das Ganze aus:

  • So, geschafft, musste doch den Laptop anschmeißen.


    Es handelt sich tatsächlich um das gelbe Kabel, im Stecker des Steuergeräts Pin 4 - geht direkt zum Kurbelwellensensor. Allerdings ist die Stelle schon sehr klein, aber passen würde es.


    Ich hab das Problem, das die Karre jetzt in meinem Keller steht (Mietshaus). 1,10m Niveauunterschied, jedesmal mühsam mit Brett und zweitem Mann rein und raus wuchten. Mal eben ne Probefahrt machen, und dann weiterbasteln is nich.


    Ich werde jetzt alles SEHR gewissenhaft isolieren, dann alles wieder zusammenbauen, das Ding aus dem Keller wuchten, dann auf gutes Wetter warten und probefahren. Kann also wieder dauern, bis ich erneut Vollzug melden kann.


    Was meint Ihr, hab ichs gefunden?


    IMG_20180123_201317k.jpg


    IMG_20180123_202140k.jpg


    IMG_20180123_202311k.jpg

  • :victory:


    na soviel Zufall ( Kabel KW Sensor ) muss ! doch mit einer erfolgreichen Reparatur belohnt werden ;)


    Ich weiß nicht ob es an dieser Stelle geht , aber nach dem Isolieren hier noch etwas Wickelschlauch als zusätzlichen Schutz könnte aber auch zu "steif" werden ?



    Viel Erfolg !!


    :wave:


    Mac

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von macgyver ()

  • Am schönsten wäre natürlich, wenn du den Kontakt irgendwie aus dem Stecker gepinnt bekommst und die Leitung dann mit klebenden Schrumpfschlauch isolierst.:whistle:

    Ich denke aber auch, dass das deine Fehlerquelle sein wird.
    Gerade wenn der Fehler sporadisch auftritt...:g:
    Vermutlich wird das Signal vom Sensor über den Rahmen oder das verbaute Ventil kurzgeschlossen.


    Viel Spaß beim basteln!
    Ich drück dir die Daumen

  • Ich krieg die Bilder nicht hochgeladen, bin zu blöd dazu. Ich probiers unten mit der Büroklammer, aber sagt dauernd Datei zu groß.

    Die Bilder sind aufm Handy und ich schreib auch von selbigem

    Das Problem hat sich zwar offenbar erledigt, aber es geht auch mit den Bordmitteln des Handy:

    In den Einstellungen der Kamera kann man sicherlich eine Bildgröße festlegen.

    Kann man das Bild nicht noch einmal in passender Größe aufnehmen: Das Email-Programm meiner Version erlaubt ein Skalieren der Bilder. Ggf. schickt man dazu eine Email an sich selbst. Eleganter wäre es sicher eine eigene App - die gibts bestimmt im Appstore. Weiterhin gibt es Webdienste die das tun. Ein paar zugegebenermaßen PC-lastige Tips in diesem Thread: Fotos verkleinern

    Es handelt sich tatsächlich um das gelbe Kabel, im Stecker des Steuergeräts Pin 4 - geht direkt zum Kurbelwellensensor. Allerdings ist die Stelle schon sehr klein, aber passen würde es.

    Wie groß die Stelle ist, ist fast egal - Kontakt ist Kontakt und wenn man die isolierung nicht brauchen würde, wäre ja keine da. Insofern scheint es mir auch sehr wahrscheinlich, dass das der Fehler ist.

    Ich werde jetzt alles SEHR gewissenhaft isolieren

    Isolieren wird nicht das Problem sein, so wie Du geschrieben hat, wie es zum Fehler gekommen ist, wirst Du versuchen müssen, die Scheuerstelle zu vermeiden, weil sonst auch die neue Isolierung irgendwann durch ist.

    Am schönsten wäre natürlich, wenn du den Kontakt irgendwie aus dem Stecker gepinnt bekommst und die Leitung dann mit klebenden Schrumpfschlauch isolierst.

    Davon würde ich abraten, denn ich sehe die Gefahr einer Verschlimmbesserung beim Zerlegen des Steckers.


    Eckart

  • Hallo Rainer,

    vielleicht bekommst du ein Stück Fahrradschlauch über den Stecker gezogen und mit Kabelbindern befestigt? Das könnte für die Zukunft doch auch helfen. Wenn der Stecker zu groß ist, den Schlauch aufschneiden, drumwickeln und mit Kabelbindern am Kabelstrang fixieren?

    Viele Grüße,

    Martin

  • Ja, sowas in der Art werd ich machen, wobei wir ja alle wissen, dass nach Murphy's Gesetz der Kabelbaum genau an dieser Stelle nie mehr kaputt geht, garantiert.


    Hab auch verschiedene Sorten Schrumpfschlauch, da passt bestimmt was drüber. Erst Gewebeband, dann Schrumpfschlauch, dann evtl. Fahrradschlauch, das dürfte halten. Wichtiger wird aber sein, dass ich die Kabelführung verändere, damit es gar keine kritischen Kontaktstellen mehr gibt.

  • Wenn der Fragesteller von einer

    Scheuerstelle

    spricht, würde ich das erstmal glauben, auch nach betrachten der Bilder im Beitrag G650GS - Drehzahlmesser spinnt komme ich zu keinem anderen Ergebnis, und will mich daher der Feststellung

    Das sieht nicht abgescheuert, sondern verschmort aus.

    nicht anschließen, denn bei Schmorstellen sinht man normalerweise Wülste an den Rändern und oft Verfärbungen.

    Ob

    das Magnetventil im Betrieb heiß

    wird, ist da fast egal (obwohl: wenn es das wird, dürfte etwas nicht in Ordnung sein), denn an der Konsequenz ändert das nichts:

    Kabel mit viel Abstand neu verlegen

    Schrumpfschlauch

    wäre sicher gut, bei solchen Reparaturstellen aber oft schwer anwendbar, denn man müsste ihn ja über die Kabelenden bekommen und nur deswegen eine Trennung vornehmen oder einen Stecker zu zerlegen würde ich vermeiden, denn denn der Draht ist ja noch unbeschädigt. Gute Erfahrungen habe ich mit selbstverschweißendem Isolierband gemacht. Ist das Kabel fest verlegt und auch genügend fixiert, kann es eigentlich auch nicht

    zu "steif" werden

    Obacht wäre "nur" an biegebeanspruchten Stellen angebracht wie bei Verbindungen von/zum Lenker oder den Rädern.


    Eckart

  • Scheuerstellen setzen voraus, dass sich etwas bewegt und aneinander reibt. Unter der Sitzbank sollte der Kabelbaum fest mit Kabelbindern verlegt sein, und das Ventil ebenfalls fest sitzen.

    Bei Googlesuche mit Magnetventil und Hitze zeigen sich doch Treffer in nicht unerheblichem Ausmaß, man könnte schauen wie viel Watt das Ventil so umwandelt, oder einfach mal 12V anlegen und schauen....

    Aber möge der Threadersteller selber schauen, ob er dem Hinweis nachgehen mag.

  • Ich hab keine Ahnung, ob das Ding heiß wird. Es handelt sich um das Messingteil im Bild (nicht mein Moped). Bei mir ist das Ventil liegend unter der Sitzbank verbaut, das Kabel “scheuerte“ am Messingteil und hatte hier Kontakt.


    Ich werde das natürlich prüfen, sollte das Ventil so heiß werden, dass tatsächlich eine Isolierung wegschmort fände ich das sehr bedenklich. In einem solchen Fall würde ich den KÖS komplett neu montieren, so dass es irgendwo außen im Fahrtwind sitzt.


    Aktuell habe ich alles neu isoliert und auch das Messingteil des Ventils mit einem Plastikwinkel verkleidet, so dass der Kabelbaum keinesfalls mehr Kontakt haben kann. Habe alles sehr gewissenhaft “abgeschirmt“, an dieser Stelle kann und wird nix mehr passieren. Zur Ursache vermute ich nach wie vor Vibrationen durch den Eintopf. Zwar war das Kabel fest fixiert, aber das Magnetventil war nur locker reingelegt. Hat immerhin 25.000 km einwandfrei funktioniert.


    Klar ist, dass ich diese Stelle zukünftig öfter kontrollieren werde. Ob aber wirklich mein nerviger Fehler damit eliminiert ist wird sich erst noch zeigen. Bis zur Probefahrt dauerts noch.


    Ich melde mich!