Vorbereitung einer großen Reise und die Frage der Fragen: F 650 GS oder F 650 GS Dakar

  • Servus Miteinander,


    ich habe nächste Jahr was großes vor, den ich werde nach Japan fahren (Ursprünglich wollte ich nach Vietnam ... hab's mir jetzt anders überlegt). Und bin etwas unsicher was die Wahl der Maschine angeht.


    Hier ein paar Eckdaten:

    Route: Deutschland, Polen, Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland, Mongolei, Russland, Japan

    Entfernung: ca. 30.000 km

    Dauer: 5 Monate

    Start: Mitte April 2019


    2018-04-02 23_51_36-Google Earth Pro.png   2018-04-02 23_59_17-Deutschland_Japan Reise Route - Google Sheets.png


    Ich fahre derzeit eine F650 GS Bj. 2006. Bin mit der Maschine zufrieden und sie fährt sich super auf der Straße, ich habe nicht wirklich Geländeerfahrung. Dieses Jahr habe ich vor ein Training fürs Gelände zu absolvieren (Wer kann mir hierfür was empfehlen?). Auf der Route nach Japan werde ich durchs Gelände fahren (Kaputte Straßen, Bergstraßen, Schotterpisten), vor allem in Georgien, Armenien, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland und Mongolei. Nun ich habe in der Literatur und Online viel gelesen, viele schreiben, dass man fürs Gelände ein hohes Motorrad braucht und ein 21" Vorderrad doch so viel besser ist. Letztes Jahr als ich auf der Suche nach einen Motorrad war, hatte ich eine Probefahrt auf einer Dakar, für meine 1,76m und 75kg war sie mir etwas zu hoch (ungeladen, mit Gepäck würde sie mir passen denke ich). Schlussendlich habe mich für die normale GS entschieden. Ich bin etwas unsicher, ist jemand von euch selbst sowohl die normale GS als auch die Dakar im Gelände gefahren? Ist der unterschied so groß? Ist ein 21" Vorderrad im Gelände ein muss, vor allem bei defensiver Fahrweise? Evtl. Erfahrung normale GS mit progressiven Federn vs. Dakar?


    Kevin


    PS: Falls jemand Interesse hat mitzufahren, bitte Privat anschreiben.

  • Die Route ist reichlich ambitioniert wie ich finde. Vor allem Iran, Russland und Mongolei sind derart unerschlossen, dass du dir bei egal welchem Problem selbst unterwegs helfen können musst. Da kommt nämlich sonst tagelang keine Menschenseele vorbei.

    Die ganzen Visa, die du unterwegs so brauchst sind auch nicht ohne.

    Aber gut, darüber wirst du dir Gedanken gemacht haben.


    Zur Frage:

    Ich hatte erst die GS und habe dann als Frauchen den Führerschein gemacht hat die GS vererbt und eine Dakar für mich geholt. Die offroad Fertigkeiten der Dakar fand ich deutlich besser. Das 21 Zoll Vorderrad war dabei angenehm für die Spurtreue aber für mich gar nicht soooo wichtig, die zusätzliche Bodenfreiheit war aber erheblich. Ich hab mich mit der GS ständig irgendwo festgefahren (Unterfahrschutz hat aufgesetzt)

    Sitzhöhe fand ich mit meinen 1,75m okay, kann man aber bei Bedarf mit einer niedrigeren Sitzbank reduzieren. Wobei ich nicht die von BMW nehmen würde sondern eher die von Touratech. Die ist bei gleicher Sitzhöhe deutlich bequemer.


    Allerdings habe ich mit beiden keine Erfahrung im Gelände mit Gepäck.

  • Möchtest du wirklich Gelände fahren oder bleibst du auf Pisten?
    Für Gelände taugt weder die GS noch die Dakar! Dazu brauchst du eine leichte, hohe Enduro. Allerdings ist eine 250er nicht fernreisetauglich. Ich gehe bei der weiten Strecke davon aus, dass du eher nicht ins Gelände gehst, sondern auf Straßen bleibst. Mit Straßen meine ich Wege, die geschottert, gerne mit Löchern überseht sind oder schlammige Abschnitte. Das alles sollte eigentlich auch die GS schaffen (vernünftige Reifen vorausgesetzt).
    Bei tiefem Sand jedoch dürfte die Grenze der GS erreicht sein.

  • Training gibt es Enduropark Hechlingen https://www.enduropark-hechlingen.de/startseite/ oder wenn es ein bischen Toller zugehen soll:

    Metzeler Enduro Park Italien http://www.offroadpark.it

    Eine Zusammenstellung von verschiedenen Anbieter: http://www.enduro-austria.at/i…=article&id=81&Itemid=131

    Werde dieses Jahr mal Hechlingen machen und nächste mit Dany Wirz (offroad-training.ch) in die Ardèche.

  • Die Route ist reichlich ambitioniert wie ich finde. Vor allem Iran, Russland und Mongolei sind derart unerschlossen, dass du dir bei egal welchem Problem selbst unterwegs helfen können musst. Da kommt nämlich sonst tagelang keine Menschenseele vorbei.

    Die ganzen Visa, die du unterwegs so brauchst sind auch nicht ohne.

    Ambitioniert ja, aber keinesfalls utopisch. Auch im Iran und in Russland geht man nicht so leicht verloren. Was im Un-Falle hilft ist ein Satelliten-Notrufgerät von Delorme (heute Garmin) namens InReach, dazu ein weltweites Rettungspaket. Knopf drücken, in Ohnmacht fallen und gerettet werden. Das alte, kastenförmige Gerät, bei Bedarf für e-Mails zu koppeln mit dem Smartphone tut´s perfekt und gibt es gebraucht zu kaufen. Kannst Du Dir bei mir ggf. auch mal angucken kommen.


    Technisch muß man sich auf jeden Fall selbst helfen können; dazu sollte man die GS vorher schon mal zerlegt haben und alle typischen Schwachstellen vorher überholen (Lenkkopflager, Wapu; Regler evt. umrüsten). Reifenreparatur ist Pflichtprogramm.


    Die Visa sind teilweise ein Schwachpunkt; sehe ich genauso - nicht von jedem Land ist der Übertritt in jedes angrenzende Land möglich. Die Route Türkei - Georgien - Armenien hast Du dabei schon richtig gewählt. Also gewöhne Dich an den Gedanken, daß Du evt. nicht alle Visa bekommst und wandele Deine Route entsprechend ab, wo nötig. Nervig sind halt die Fristen, die aneinander anschließen müssen; ggf. Dual Entry beantragen, damit man in Notfällen das Land verlassen und wieder zurückkommen kann. Insbesondere für Russland kann ich König Tours nur empfehlen - das Visum geht zuverlässig und ruck-zuck.


    Zum Mopped: 21 Zoll sind besser als 19 Zoll auf unbefestigten Straßen, weil die Vorderräder schlicht nicht so tief in Bodenwellen und Löcher eintauchen. Allerdings sollte sich die normale GS recht unproblematisch und finanziell überschaubar auf 21 Zoll umbauen lassen, ist ja inkl. Rahmen alles identisch bei der Dakar, bis auf Gabel und vermutlich die Schwinge (hab´die Reifendimensionen für hinten nicht im Kopf). Schätze man muß dann den Tacho umprogrammieren, aber so einen Umbau gibt´s bestimmt öfter; bauen ja auch genug die Dakar auf Sumo um. Alles besser als ein bekanntes Mopped abzugeben und ein unbekanntes Mopped zu kaufen.


    Neben dem Delorme noch ein paar weitere Tips von mir:

    Erste Anlaufstelle sind das englische HUBB (Horizons Unlimited) und das deutsche Mimoto-Forum; bessere Infos wirst Du nirgendwo bekommen.

    Statt viel Geschwafel in Möchtegern-Reiseforen (davon gibt es jede Menge, die beiden obengenannten gehören definitiv nicht dazu) hilft das DVD-Set von HUBB "Achievable Dream". Das Gesamtset von ich glaube 5 DVD kostet ca. 100 Euro neu, meist bei amazon.uk. Inzwischen wohl auch als Stream bei Vimeo; einfach mal bei HUBB im Store gucken. Ist jeden Pfennig wert, insbesondere die Tire Changing DVD (die einzige Anleitung, die ich zum Reifenwechsel und -flicken kenne, die was taugt; bei Youtube gibt es tonnenweise Mist) und die Gear Up. Nach 10 Jahren Reisen mit insgesamt mehr als 100.000km kann ich Dir das so deutlich sagen. Kannst Dir gerne meine Übungsfelge leihweise holen kommen, die hab´ ich mir vor Jahren mal für´n Zwanni gekauft und malträtiert, bis ich´s konnte; darfst auch Löcher in den Reifen bohren. Ich müsste auch mal wieder üben vor der Herbsttour....


    Evt. kannst Du auf der Tour das ein oder andere HUBB-Treffen ("Traveller Meeting") mitnehmen; das ist ganz hilfreich für die Seele. Bei HUBB unter "Events". Übrigens ist das nächste im Juni in Sippersfeld, bei Dir um die Ecke. Jens macht das seit Jahren ganz toll und da kann man auch was lernen.


    Echtes Geländefahren im Sinne von Cross oder Trial mußt Du nicht lernen; Du musst lernen auf Schotter und im Sand zu fahren, wenn die Straße zu Sand und Kies wird. Hilfreich ist Dirt4Fun, sicher einiges billiger als Hechlingen mit 1200GS. Wo man auch echt was lernt ist bei Stefan in Bilstain; habe ich mit meinem Sohn gemacht als er 16 wurde und eine 125er Yammi fuhr.


    Ansonsten: Kauf´ Dir um Himmels willen vorher gescheite Stiefel für die Tour; mein Tip geht zu Sidi Adventure II, die haben GoreTex und einen gescheiten Knöchelschutz; Daytona Trans Open GTX leider überhaupt nicht.


    Gepäck: Einzelsitzbank ist evt. ein Tip für Dich; auf dem Sozius kann man dann nämlich stabil Gepäck unterbringen, wesentlich schwerpunktnäher. Außerdem ist die schon ab Werk tiefer als die normale (vulgo "niedrige") BMW-Sitzbank.


    Telefon: Sim-Karten für Russland gibt´s absolut zuverlässig bei rus-sim.com, inkl. perfektem Service per Mail zu jeder Zeit. Als drahtlosen USB-Hotspot auch für die russischen GSM-Netze (funktioniert wunderbar an einer Powerbank und erspart das an- und abschalten des Datenverkehrs im Handy) kann ich den mit der Amazon-Nummer (ASIN) B019OL8AAM empfehlen.


    Ansonsten: Viel Spaß beim Russischlernen. Ein paar Brocken brauchst Du; in jedem Falle mußt Du´s lesen können. Für letzteres die Android-App Russian Alphabet Mastery von Unique Digital Publishing, einfach genial. Für die Sprache Russland-Journal.de mit pdf-Buch für kleines Geld und Podcasts.


    Sorry, bin in´s Schwätzen gekommen, bin jetzt wieder ruhig :-)


    P.S.: Mitkommen würde ich nur allzu gerne; ich hab´ die ziemlich gleiche Tour mit meiner Frau für 2021 im Auge; muß mein Sabbatical dafür noch klarmachen und den Jüngsten vorher noch durch die Schule kriegen...

    Meine Beiträge geben meine private Meinung wieder ohne Anspruch auf sachliche Richtigkeit.

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  • Zitat

    vosse : Allerdings ist eine 250er nicht fernreisetauglich.


    Gegen dieses Vorurteil muss ich wieder einmal energisch protestieren: Ich habe mit einer 250-er Suzuki halb Australien bereist (u.a. durch den berüchtigten Jardin-River auf Cape York) und auf den entlegensten Pisten der Sahara alte 250-er MZ's getroffen. Einziges Problem dürfte heutzutage sein, eine moderne 250-er mit stabilem und gepäcktauglichem Heckrahmen zu finden.


    Gerade mit viel Gepäck in schwierigem Gelände zählt jedes Kilo. In Australiens Norden mußten wir jede 600-er abladen und durch die tiefen Flussfurten schieben (die haben sich im lockeren Flusssand immer eingegraben) während ich mit Gepäck und ohne Hilfe einfach so durchfuhr. Weiterer Vorteil eines geringen Hubraums ist (in der Regel) der geringere Verbrauch. Mit einem 9-Liter-Tank + 20-Liter Reserve-Kanister hatte ich selbst auf Pisten eine Reichweite von 800 km.


    Allerdings wird unser Globetrotter wahrscheinlich auf befestigten Pisten bleiben wollen und die sind mit fast jedem Motorrad zu befahren. Es ist alles eine Frage der Geschwindigkeit.

    Ich war letztes Jahr in Kirgisien und Kasachstan unterwegs. Die Nebenstrecken sind zwar enorm schlaglochgespickt, aber die Einheimischen fahren dort mit ihren alten Passats, Audi 100, Mercedes-T1 und T2-Lieferwagen, etc. auch durch und müssen für beide Spuren einen Weg durchs Schlaglochgewirr finden - da haben es Zweiradfahrer echt leichter.


    Mit einer vollgeladenen F 650 GS/Dakar darf man natürlich nicht volles Rohr in große Schlaglöcher rauschen - dafür ist die Federung einfach zu hart und die Federwege zu kurz. Da geht auf kurz oder lang etwas kaputt - von der Sturzgefahr ganz zu schweigen.

    Also: Mit Augenmaß fahren, dann kommt man überall hin. Ich bemühe hier ein italienisches Sprichwort: "Chi va piano, va lontano - é arriva sano" (wer langsam geht/fährt, kommt weit und kommt gesund ans Ziel).


    Viele Grüße aus der Westpfalz

    Udo

  • Danke dir für deine Rückmeldung!

    Die Route ist reichlich ambitioniert wie ich finde. Vor allem Iran, Russland und Mongolei sind derart unerschlossen, dass du dir bei egal welchem Problem selbst unterwegs helfen können musst. Da kommt nämlich sonst tagelang keine Menschenseele vorbei. Die ganzen Visa, die du unterwegs so brauchst sind auch nicht ohne. Aber gut, darüber wirst du dir Gedanken gemacht haben.

    Ja die Route ist lang, auf jeden Fall machbar. Also so unerschlossen sind die Länder auch nicht, ja die Gegend ist nicht so dicht besiedelt wie in Europa aber wenn man entlang der Straße fährt dann findet man auch Menschen. Was die Visa angeht, so benötige ich für die Route nur 4 Visa (Iran, Turkmenistan, Usbekistan und Russland). Die Route ist super minimalistisch was den Bürokratieaufwand angeht.

    Ich hatte erst die GS und habe dann als Frauchen den Führerschein gemacht hat die GS vererbt und eine Dakar für mich geholt. Die offroad Fertigkeiten der Dakar fand ich deutlich besser. Das 21 Zoll Vorderrad war dabei angenehm für die Spurtreue aber für mich gar nicht soooo wichtig, die zusätzliche Bodenfreiheit war aber erheblich. Ich hab mich mit der GS ständig irgendwo festgefahren (Unterfahrschutz hat aufgesetzt)

    Bodenfreiheit ist ein wichtiger Aspekt denke ich. Ich muss mal schauen wie stark das Moped noch tiefer geht mit all dem Gepäck. Obwohl ich ein Asket bin was das Gepäck angeht, so kommt doch einiges zusammen denke ich. Bin noch unentschlossen ob ich ein Zelt und Campingausrüstung mitnehmen soll (Da läppert sich was zusammen).

    Sitzhöhe fand ich mit meinen 1,75m okay, kann man aber bei Bedarf mit einer niedrigeren Sitzbank reduzieren. Wobei ich nicht die von BMW nehmen würde sondern eher die von Touratech. Die ist bei gleicher Sitzhöhe deutlich bequemer.

    Super Hinweis, notiert! Danke! Wobei wenn ich mir die Preise anschaue, dann wird man ja arm bei:unsure:


    Kevin

  • Möchtest du wirklich Gelände fahren oder bleibst du auf Pisten?

    Meine Definition von Gelände für die genannte Route sind Kaputte Straßen, Bergstraßen und Schotterpisten. Kein Sand, Ich bin in Kasachstan geboren und aufgewachsen, der Zustand der Straßen ist mir durchaus bekannt. Allerdings habe ich nicht viel Erfahrung auf zwei Rädern auf solchen Straßen gemacht. Nur auf Philippinen auf mit einer 125ger und unbeladen ... ganz andere Gewichtsklasse.


    Kevin

  • Training gibt es Enduropark Hechlingen https://www.enduropark-hechlingen.de/startseite/ oder wenn es ein bischen Toller zugehen soll:

    Metzeler Enduro Park Italien http://www.offroadpark.it

    Eine Zusammenstellung von verschiedenen Anbieter: http://www.enduro-austria.at/i…=article&id=81&Itemid=131

    Werde dieses Jahr mal Hechlingen machen und nächste mit Dany Wirz (offroad-training.ch) in die Ardèche.

    Danke für die Hinweise! Ich bräuchte das was für die Straße und wenig mit klassischen Enduro Ansatz (Auf 250ger Maschinen). Ich denke das Angebot in Hechlingen ist schon sehr gut. Aktuell an Wochenenden bereits alles ausgebucht, kennst du ähnliche Alternativen?


    Kevin

  • Allerdings wird unser Globetrotter wahrscheinlich auf befestigten Pisten bleiben wollen und die sind mit fast jedem Motorrad zu befahren. Es ist alles eine Frage der Geschwindigkeit. Ich war letztes Jahr in Kirgisien und Kasachstan unterwegs. Die Nebenstrecken sind zwar enorm schlaglochgespickt, aber die Einheimischen fahren dort mit ihren alten Passats, Audi 100, Mercedes-T1 und T2-Lieferwagen, etc. auch durch und müssen für beide Spuren einen Weg durchs Schlaglochgewirr finden - da haben es Zweiradfahrer echt leichter.


    Mit einer vollgeladenen F 650 GS/Dakar darf man natürlich nicht volles Rohr in große Schlaglöcher rauschen - dafür ist die Federung einfach zu hart und die Federwege zu kurz. Da geht auf kurz oder lang etwas kaputt - von der Sturzgefahr ganz zu schweigen.

    Also: Mit Augenmaß fahren, dann kommt man überall hin. Ich bemühe hier ein italienisches Sprichwort: "Chi va piano, va lontano - é arriva sano" (wer langsam geht/fährt, kommt weit und kommt gesund ans Ziel).

    Ja ich habe vor Straßen zu fahren. Die Straßen in den *-stan Ländern sind mir durchweg bekannt. Daher habe ich nicht vor durch die Schlaglöcher zu fliegen. Ich werde mäßig und defensives Fahren. Nicht desto trotz denke ich an progressive Federung bzw. Bodenhöhe und ein größeres Vorderrad. Mit welcher Maschine warst du dort unterwegs?


    Kevin

  • Hallo Kevin,

    ich habe nächste Jahr was großes vor, den ich werde nach Japan fahren

    ...
    Route: Deutschland, Polen, Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland, Mongolei, Russland, Japan


    Entfernung: ca. 30.000 km

    Dauer: 5 Monate

    Da staune ich auch, gerade erst die erste Motorradreise absolviert und schon eine Weltreise geplant. Ein bisschen frage ich mich ja auch, ob man sich so unerfahren in ein so großes Abenteuer stürzen sollte, aber Du wirst es Dir ja überlegt haben und ein wenig schwingt der Neid mit, so eine Möglichkeit selbst nicht gehabt zu haben.


    Du hast ja ungefragt schon ganz viele Tips bekommen, selber könnte ich nur mit Erfahrungen von Reisen in vergleichsweise zivilisierte Gegenden aufwarten, die längste mit knapp 8000 km nach Norwegen, ansonsten z. B. auch Island. Ich will mich mit meiner Antwort hier auf eine auf die Ursprungsfrage beschränken.

    Ich fahre derzeit eine F650 GS Bj. 2006. Bin mit der Maschine zufrieden und sie fährt sich super auf der Straße, ich habe nicht wirklich Geländeerfahrung. Dieses Jahr habe ich vor ein Training fürs Gelände zu absolvieren

    ...

    Auf der Route nach Japan werde ich durchs Gelände fahren (Kaputte Straßen, Bergstraßen, Schotterpisten),

    ...

    viele schreiben, dass man fürs Gelände ein hohes Motorrad braucht und ein 21" Vorderrad doch so viel besser ist. Letztes Jahr als ich auf der Suche nach einen Motorrad war, hatte ich eine Probefahrt auf einer Dakar, für meine 1,76m und 75kg war sie mir etwas zu hoch (ungeladen, mit Gepäck würde sie mir passen denke ich). Schlussendlich habe mich für die normale GS entschieden. Ich bin etwas unsicher, ist jemand von euch selbst sowohl die normale GS als auch die Dakar im Gelände gefahren? Ist der unterschied so groß?

    Mit richtiger Geländeerfahrung kann ich auch nicht aufwarten. 10 Jahre hatte ich auch die GS ohne Dakar - ich will hier daran erinnern, dass die auch ein "G" im Namen hat, das ja irgendwofür stehen sollte. Die Dakar bin ich mal als Leihmotorrad gefahren. Ansonsten habe ich jetzt meine F800GS zum Vergleich, die mit "Dakar-Attributen" ausgestattet ist.


    Dir würde ich raten, die Antwort zurückzustellen, bis Du Geländeerfahrung hast.


    Eigentlich sollte ein Motorrad beladen und unbeladen etwa die gleiche Höhe haben, nachdem man die Federvorspannung nachgestellt hat (ich gebe zu: Ich kümmere mich oft auch nicht darum).


    Ansonsten kann ich Deine Bedenken durchaus nachvollziehen und würde Dir raten, das Motorrad zu wählen, mit dem Du am Besten zurecht kommst. Für unbefestigte Straßen ist die GS ohne Dakar allemal geeignet. Mag sein, dass ein größeres Vorderrad und die längeren Federwege das Fahrzeug geländegängiger machen, aber wenn Du dadurch unsicherer sitzt - gerade auch auf Strecken, wo man mit den Füßne schon mal Bodenkontakt auch bei größeren Unebenheiten halten muss - würdest Du den Vorteil gegen einem größeren Nachteil eintauschen. Größere Fahrer sind da einfach im Vorteil.

    Selber würde ich mich auf der F650GS auf unbefestigten Straßen sicherer fühlen als jetzt auf meiner F800GS, die ihre Stärken jetzt eher auf Berliner Schlaglochpisten ausspielen kann als in infrastrukturschwachen Gegenden.


    Eckart

  • @JustM: Danke dir für so viel Information! Ich musste das erstmals sortieren und mehrfach quer lesen!


    Was im Un-Falle hilft ist ein Satelliten-Notrufgerät von Delormeg (heute Garmin) namens InReach, dazu ein weltweites Rettungspaket. Knopf drücken, in Ohnmacht fallen und gerettet werden. Das alte, kastenförmige Gerät, bei Bedarf für e-Mails zu koppeln mit dem Smartphone tut´s perfekt und gibt es gebraucht zu kaufen. Kannst Du Dir bei mir gf. auch mal angucken kommen.

    Interessante Lösung, ich wusste nicht, dass diese so erschwinglich geworden sind. Ich werde auf dein Angebot zurückgreifen! Ich melde mich via Mail!

    JustMe schrieb:
    Technisch muß man sich auf jeden Fall selbst helfen können; dazu sollte man die GS vorher schon mal zerlegt haben und alle typischen Schwachstellen vorher überholen (Lenkkopflager, Wapu; Regler evt. umrüsten). Reifenreparatur ist Pflichtprogramm.

    Ich kann von sich nicht behaupten zwei linke Hände zu haben, habe bereits zwei der GS Reparatur Bücher gekauft und werde dieses Jahr progressive Federung einbauen und vollen Service selbst machen. Ich versuche mich mehr und mehr mit der Maschine vertraut zu machen.

    JustMe schrieb:

    Zum Mopped: 21 Zoll sind besser als 19 Zoll auf unbefestigten Straßen, weil die Vorderräder schlicht nicht so tief in Bodenwellen und Löcher eintauchen. Allerdings sollte sich die normale GS recht unproblematisch und finanziell überschaubar auf 21 Zoll umbauen lassen, ist ja inkl. Rahmen alles identisch bei der Dakar, bis auf Gabel und vermutlich die Schwinge (hab´die Reifendimensionen für hinten nicht im Kopf). Schätze man muß dann den Tacho umprogrammieren, aber so einen Umbau gibt´s bestimmt öfter; bauen ja auch genug die Dakar auf Sumo um. Alles besser als ein bekanntes Mopped abzugeben und ein unbekanntes Mopped zu kaufen.

    Ich habe mir das auch schon überlegt, ich denke jedoch es ist wirtschaftlicher eine Dakar zu kaufen. Genau vor diesem Hintergrund habe ich die Frage gestellt ;),

    Ansonsten: Kauf´ Dir um Himmels willen vorher gescheite Stiefel für die Tour; mein Tip geht zu Sidi Adventure II, die haben GoreTex und einen gescheiten Knöchelschutz; Daytona Trans Open GTX leider überhaupt nicht.

    Interessant dass du es schreibst, ich habe mir zu Geburtstag die Daytona Trans Open GTX gewünscht. Wobei ich diese noch nicht anprobiert hatte, jedoch so viel positives über den Schuh gelesen hatte. Die Sidi Adventure II ziehe ich auch mal in Betracht, sind auch 140 Euro günstiger.

    P.S.: Mitkommen würde ich nur allzu gerne; ich hab´ die ziemlich gleiche Tour mit meiner Frau für 2021 im Auge; muß mein Sabbatical dafür noch klarmachen und den Jüngsten vorher noch durch die Schule kriegen...

    Aktuell plane ich alles alleine, viel lieber wäre es mir zu zweit zu fahren. Also überlegst dir ;)


    Kevin

  • Eckart : Danke dir für deine Tipps! Die nehme ich mir gerne zu Herzen.

    Da staune ich auch, gerade erst die erste Motorradreise absolviert und schon eine Weltreise geplant. Ein bisschen frage ich mich ja auch, ob man sich so unerfahren in ein so großes Abenteuer stürzen sollte, aber Du wirst es Dir ja überlegt haben und ein wenig schwingt der Neid mit, so eine Möglichkeit selbst nicht gehabt zu haben.

    Ja, das stimmt ich habe seit nur einen Jahr mein Motorrad und habe ich der Zeit nur 8000km gefahren, und das alles auf asphaltstieren Straßen. Dieses Jahr im Juni fahre ich für drei Wochen den Balkan runter bis nach Athen und dann mit einer Fähre nach Italien und den Stiefel hoch. Da kommen noch einige Kilometer an Erfahrung hinzu. Außerdem nächste Woche ADAC Intensiv Training in Hockenheim, im Sommer dann noch ein Enduro Training. Also ganz so leichtsinnig nehme ich das auch nicht. Bei defensiver Fahrweise sollte das schon klappen.

    Ansonsten kann ich Deine Bedenken durchaus nachvollziehen und würde Dir raten, das Motorrad zu wählen, mit dem Du am Besten zurecht kommst.

    Ja das ist ja auch eines meiner Hintergangenen, mit der Normalen GS habe ich meine Füße komplett auf dem Boden, das fühlt sich deutlich besser wobei ich denke durch die Beladung geht die bestimmt 1-2 cm tiefer.


    Kevin

  • nteressant dass du es schreibst, ich habe mir zu Geburtstag die Daytona Trans Open GTX gewünscht. Wobei ich diese noch nicht anprobiert hatte, jedoch so viel positives über den Schuh gelesen hatte. Die Sidi Adventure II ziehe ich auch mal in Betracht, sind auch 140 Euro günstiger.

    Anprobieren ist wichtig. Der Sidi Adventure II ist mir persönlich zu eng. Als Alternative, welcher auch Wasserdicht und Gore-Tex hat, habe ich mich für den Alpinestars Toucan entschieden.

    Danke für die Hinweise! Ich bräuchte das was für die Straße und wenig mit klassischen Enduro Ansatz (Auf 250ger Maschinen). Ich denke das Angebot in Hechlingen ist schon sehr gut. Aktuell an Wochenenden bereits alles ausgebucht, kennst du ähnliche Alternativen?

    Empfehlen kann ich dir nichts, bin da selber noch ganz am Anfang. Mehr in deiner Näahe und nicht ganz so teuer ist Kenzingen http://www.stehlin-motorradtraining.de/ Auf der anderen Seite halt auch nicht so ein grosses Gelände.

  • Was Kenzingen angeht, kannst du ja mal in diesem Thread stöbern. Ein paar Forenmitglieder waren dort ja schon.
    Mit leichteren Maschinen kann man als Anfänger dort bestimmt noch mehr machen, aber dort solltest du dennoch alles lernen können, was dir das Leben auf der großen Tour erleichtert.
    Ich würde es jedenfalls jederzeit wieder machen. Wer etwas fahren kann, kommt dort aber auch mit einer 12er GS zurecht, wie man an einem schweizer Pärchen sehen konnte.

    Hechlingen ist sicherlich für unsere Dickschiffe noch besser geeignet. Allerdings kostet es auch das Doppelte. Ich würde daher lieber 2x nach Kenzingen um einige Wochen später das im ersten Kurs gelernte zu vertiefen.

  • Klar ist ne

    Anprobieren ist wichtig. Der Sidi Adventure II ist mir persönlich zu eng. Als Alternative, welcher auch Wasserdicht und Gore-Tex hat, habe ich mich für den Alpinestars Toucan entschieden.


    Sidi kannst eh gleich ein bis besser zwei Nummern größer nehmen.

    Trage in meinen Crossfire 49, normal 47. Meine alten Crossfire sind in 48, da wirds mit dicken Socken schon arg eng.

    Auf der Suche nach Teilen für F650Rallye oder Oryx? Oder gar einem kompletten Oryx Kit? ---> PN

  • Nimm die Dakar. Mit Beladung geht die ein Stück runter, du hast mehr Reserven im "Gelände" wenn du sie brauchst und ansonsten sind die Maschinen identisch.
    Ich würde mit beiden bedenkelos so ne Tour machen (wenn ich dafür mal wieder jemals Zeit hätte :D )
    Und keine Sorge, kein Reiseplan ist zu groß, zu ambitioniert oder zu schwierig. Einfach machen.

  • Hallo Kevin,

    Interessante Lösung, ich wusste nicht, dass diese so erschwinglich geworden sind.

    In einem anderen Motorradforum war letztes Jahr eine Diskussion zu diesem Thema:

    http://www.gs-forum.eu/navigat…al-locator-beacon-138869/

    Wenn ich durch abgelegene Gegenden fahren würde, würde ich mir sowas wahrscheinlich auch zulegen. Fährt man allerdings hauptsächlich in Gegenden mit Mobilfunkabdeckung, ist man mit einem Handy wohl nicht nur billiger, sondern auch besser bedient. Im Punkt Mobilfunkabdeckung sind sogar Entwicklungsländer heute oft erstaunlich gut aufgestellt., vielleicht manchmal sogar besser als manches Industrieland (in USA gibt es keine flächendeckende Mobilfunkabdeckung - in Europa sind wir verwöhnt und jammern schon, wenn das Streaming mal hakt). Im Einzelnen müsstest Du den Punkt aber selbst recherchieren oder auf aktuelle Berichte zurückgreifen.

    ich habe mir zu Geburtstag die Daytona Trans Open GTX gewünscht

    So formuliert ist der Wunsch wohl noch nicht in Erfüllung gegangen ?!

    Diese Stiefel hatte ich mal und auch auf mehreren Reisen getragen (bis sie mir jetzt wegen eines Fußproblems zu klein geworden sind). Mit denen war ich eigentlich recht zufrieden, aber für den Alltagsbetrieb sind sie mir etwas zu klobig. Dennoch kann man mit ihnen - wie mit allen Daytonas - ganz gut laufen, was m. E. wichtig ist, weil es zu meinem Verständnis des Reisens gehört, nicht nur irgendwo vorbei zu fahren, sondern auch mal anzuhalten und die Gegend zu erkunden, wozu man üblicherweise auch mal ein paar Meter laufen muss.

    Die Stahlarmierung an der Stiefelspitze verleiht dem Trans Open GTX zwar ein markantes Aussehen, aber in der Praxis ist sie nicht nur meiner Meinung nach eher hinderlich als nützlich, weil man darauf leicht abrutscht (siehe auch nächter Punkt). Manche haben sie entfernt, ich hätte das auch getan, wenn ich diese Stiefel noch weiter getragen hätte.

    Mein Alltagsstiefel ist der Daytona Travel Star GTX, sonstige Vergleichsmöglichkeiten fehlen mir.

    Was Deinen Preisvergleich angeht, erklärt sich der Preis natürlich in erster Linie durch die Ausstattung und ansonsten gilt Daytona als der Mercedes unter den Motorradstiefeln, man liest so gut wie nie Negatives über die Firma oder deren Stiefel.

    mit der Normalen GS habe ich meine Füße komplett auf dem Boden

    Das sehe ich als wichtig an. Wie sich die Beladung auswirkt, kannst Du ja ansatzweise auch mit der normalen GS ausprobieren, wobei ich sagte, dass man da eigentlich mit der Federvorspannung gegensteuern müsste.

    Wenn nicht viel fehlt, kann man meist mit der Sitzbank noch etwas machen: Für meine F800GS habe ich eine niedrige Sitzbank - eigentlich ist sie gar nicht viel niedriger, sondern nur besser geformt, für eine geringere Schrittbogenlänge, sodass ich damit mit den Füßen sicher herunterkomme. Und trotz dass sie niedriger ist, ist sie trotzdem bequemer als die Originalsitzbank.

    Bei der F650GS war ich mit der Originalsitzbank zufrieden, sodass ich selbst zu diesem Thema keine modellbezogenen Erfahrungen beitragen kann, aber wenn Du hier im Forum recherchierst oder fragst, wirst Du sehr viele Antworten zu diesem Thema bekommen, denn es gibt noch kleinere Leute als Du. Die F650GS ist eine der wenigen Enduros, die ihnen von der Höhe her noch Chancen bieten.


    Eckart

  • Ich dachte bis zu meinem Unfall auch, Daytona Trans Open wäre gut. Die Trans Open GTX haben mich fast meinen Fuß gekostet, als die Käthe 2015 draufgeknallt ist. Null seitlicher Schutz des Fußes und ich habe Riesenglück gehabt, daß mein Knöchel und meine Achillessehne nicht getroffen wurden, da hat der Stiefel nämlich auch Null Schutz; der Trümmerbruch im Vorder- und Mittelfuß war kompliziert genug. Am liebsten würde ich mit Sidi Crossfire fahren, aber das ist auf Fernreisen nicht sinnvoll, da man nicht immer mit Plastiktüten über den Füßen fahren will wenn´s schüttet. Deshalb habe ich jetzt den Sidi Adventure II mit Goretex; die Schutzwirkung ist bei diesem erheblich umfangreicher als beim Daytona und auch besser als beim Alpinestars Toucan; ich habe mir vor dem Kauf beide sehr genau und gleichzeitig angesehen. Daytona passt mir in meiner regulären Schuhgröße 45, Sidi in 47.

    Meine Beiträge geben meine private Meinung wieder ohne Anspruch auf sachliche Richtigkeit.

  • Hallo Eckart,

    Wenn ich durch abgelegene Gegenden fahren würde, würde ich mir sowas wahrscheinlich auch zulegen. Fährt man allerdings hauptsächlich in Gegenden mit Mobilfunkabdeckung, ist man mit einem Handy wohl nicht nur billiger, sondern auch besser bedient.

    Ja, innerhalb von Europa funktioniert das ganz gut mit dem Empfang ... in zentral Asien sieht es schon etwas anders aus ... ich werde mir auf jeden Fall einen Tracker mit Notruffunktion zulegen. Meine Familie würde sich dann hoffentlich etwas weniger Sorgen machen.


    So formuliert ist der Wunsch wohl noch nicht in Erfüllung gegangen ?!

    Ich hatte mein Geburtstag noch nicht, die Angabe hier in Forum stimmt nicht, da muss man noch 20 Tage dazu zählen ;) also noch 17 Tage :D.

    Das sehe ich als wichtig an. Wie sich die Beladung auswirkt, kannst Du ja ansatzweise auch mit der normalen GS ausprobieren, wobei ich sagte, dass man da eigentlich mit der Federvorspannung gegensteuern müsste.

    Was hältst du von progressiver Federung, mach das Sinn? In dem Buch Abenteuer mit dem Motorrad wird das empfohlen.


    Gruß


    Kevin