Kommunikationssystem - Erfahrungen???

  • Liebe Freunde,


    ich stehe mal wieder vor einer Entscheidugskrise.

    Mein Beitrag "Bluetooth für Navi-Ansage" ist euch vielleicht schon bekannt. Ich habe mich nun für eine professionellere Lösung entschieden. Die Auswahl ist groß, jedoch von mir bereits eingegerenzt.

    Auf jeden Fall, möchte ich mir ein neues Kommunikationssystem besorgen in erster Linie für Naviansage - in zweiter Linie für Telefon - und zum Schluß (bin zwar meist alleine unterwegs, dennoch...) für gelegentliche Nutzung von Intercom.

    Die folgenden drei Geräte passen in meinen Anforderungskatalog:


    1. Cardo Scala Rider FREECOM 4


    2. Sena SF4


    3. Sena Louis Special


    Die Geräte sind allesamt von Funktion und Ausstattung auf dem Datenblatt ähnlich bzw. nahezu gleich. Aber alle haben so ihre Vorteile und Nachteile.


    z.B. Cardo Wasserfest jedoch ohne Sprachsteuerung / Sena SF4 Sprachsteuerung, Bedienung über App jedoch "nur" Spritzwassergeschützt / Sena LSE-01 eigentlich Baugleich mit dem SF4 jedoch nach Auslauf vermutlich ohne Support und Ersatzteile.....


    Mich würden jedoch euere langzeit und praktische Erfahrungen mit dem o.g. Geräten interessieren als Entscheidungshilfe interessieren.......


    Danke für die rege Beteiligung.

    Reisemoped: Triumph Tiger 800 XCx

    Cruisermoped: Suzuki VL 1500 Intruder

  • Ich persönlich steh voll auf die Geräte von Sena weil sie so herrlich einfach zu bedienen sind und auch die Reichweite halten, die sie versprechen. In Meinem Nolan N90 Evo habe ich das N-Com B 901 verbaut, dies ist von Sena aber eben in der Vorbereitung des Helm voll integriert. Was bessere gibt es kaum noch, ich bin voll zufrieden

  • Ganz klar: Sena, bloß kein Cardo. Ich bin so frei und kopier´ hier mal eine Rezension von Amazon rein (die ich selbst verfasst habe...).

    Zu meinem Erfahrungshintergrund: Wir fahren mit der ganzen Familie (4 Personen) Motorrad; seit inzwischen 10 Jahren auch Fernreisen mit den Kindern als Sozien, seit drei Jahren fährt unser Ältester selbst.

    Angefangen haben wir mit original Cardo Scala Rider-Sets mit 10 Metern Reichweite; die waren ausreichend, damit Mami und Papi jeweils mit dem kurzen Sozius reden konnten. Dann sind wir Eltern auf Cardo Scala Q2 umgestiegen, weil wir damit - zusammen mit den originalen Cardos, auch Bike-zu-Bike sprechen konnten und weiterhin jeder mit seinem Sozius. Als dann die letzten originalen Cardos den Geist aufgaben (so nach 30.000km bei Wind und Wetter) sind wir auf Cardo G9 umgestiegen, die Kinder bekamen die Q2 und so wurde eine Vier-Wege-Konferenz möglich. Die acht Jahre alten Q2 leben immer noch, schwächeln aber jetzt massiv. die G9 sind gerade mal vier Jahre alt, wurden schon einmal auf Garantie getauscht und eines hat jetzt endgültig aufgegeben; die Qualität ist einfach miserabel und der Cardo-Support nicht existent. Wer nur alle paar Wochen mal zur Eisdiele fährt, kann sechs Wochen Reparatur und Garantieprüfung im Hochsommer verschmerzen; wer vier Wochen im Urlaub auf die Dinger angewiesen ist, kann Pannen nicht brauchen.

    Dieses Jahr wollen wir mit drei Moppeds in den Iran und neue Headsets mußten her. Am liebsten mit Konferenzschaltung, aber da wir meist nur noch zu zweit fahren und die Dreier-Trips mit dem Großen nun Seltenheitswert haben, haben wir des Preises wegen auf die Konferenzschaltung verzichtet und zunächst in die Sena SMH-5 investiert. Die angegebene Reichweite von 400m erwies sich als Blender - nach 50 Metern war's vorbei mit Gesprächen. Das SMH5 ist ein tolles Gerät für Einzelfahrer ohne Kommunikationsbedarf oder die Kommunikation zwischen Fahrer und Sozius/Sozia, aber kein Bike-zu-Bike-Gerät. Wer mehr wissen will, kann meine ausführliche Drei-Sterne-Rezension dort lesen.

    Statt auf das ebenfalls schon in die Jahre gekommene SMH10 zu setzen, entschieden wir uns dann für das Sena 10S, ebenfalls mit Jog Dial. Tolles Gerät - mit einem einzigen, unverzeihlichen Fehler: Der dünne, schon an sich fast untaugliche Plastik-Entriegelungshaken liegt oben auf dem Gerät und es bedarf nur einer leichten Berührung, um das Gerät zu entriegeln - und dann ist es schlicht weg. Wer diese Entriegelung erfunden hat, hatte vermutlich den Auftrag, einen Haken für einen Barbiepuppenschreibtisch zu entwerfen, aber nicht einen Haken, der eine blinde Fehlbedienung bei Wind und Wetter mit dicken Handschuhen bei 100km/h ausschließt. Unglaublich. Die deutsche, kostenfreie Sena Technik-Hotline (ich habe drei Mal dort angerufen, absolut toller und kompetenter Service, danke Sena!) gab dann auch zu, daß das Gerät "besonders einfach abzunehmen sei".:-).

    Was also blieb übrig - die 200 Euro-Grenze pro Fahrer wollte ich eigentlich nicht überschreiten, allerdings war ich kurz davor, die Sena 20S Evo zu kaufen. Evo ist der Nachfolger der 20S, die 20S Evo-Serie hat eine recht sichere Verriegelung mit einem Metallhaken. Allerdings sind die Evos ein echter Klotz. Wer Mesh-Technologie in riesigen Gruppen braucht, mag sich so ein Ding an den Helm kleben, für drei, vier Leute ist das definitiv nicht nötig. Ich habe auch keine Lust, ein Gerät von der Größe einer PC-Maus an meinem Helm zu haben; vier Wochen Tour damit wird meine Halswirbelsäule hassen; deshalb schieden auch die beiden großen Cardos (Smartpack und Packsmart) sofort aus. Das kleine Cardo Freecom war mir viel zu fummelig zu bedienen mit für mich fast nicht zu ertastenden Miniknöpfen, dazu auch noch Klinkenstecker in den Kabeln.



    Von Anfang an ausgeschlossen hatte ich dummerweise das 10R - wegen des getrennten Akkus. Aus der Not also eine Tugend gemacht und dann doch angesehen: ich war sofort begeistert. Das Gerät an sich ist unglaublich flach und schmiegt sich an den Helm; es gibt keinen Halter sondern wird mit 3M-Klett befestigt - das ist bombenfest, das Panel wiegt nur ein paar Gramm. Runterfallen könnte es wegen der Verkabelung eh nicht.

    Vom Panel geht ein Flachbandkabel ab, das sich sehr leicht unter dem Helm verstauen lässt und viel stabiler ist als drei dünne Einzelkabel unten an der Helmkante. Die Lautsprecher sind Sahne; selbst mein audiophiler Sohn ist - unter der Maßgabe, daß es sich um einen Moppedhelm und nicht um einen Konzertsaal handelt, völlig zufrieden.

    Die Bedienung ist simpel; drei Tasten reichen völlig aus für alles. Die Koppelung ist ebenso einfach. Sena hat - mangels einzelner Knöpfe für jeden einzelnen Gesprächspartner am Gerät - zwar die Koppelungslogik, daß der letzte bei Einrichtung der Koppelung gekoppelte Partner zunächst auf der Position 1 gespeichert wird, die Reihenfolge lässt sich aber dann über die ebenfalls hervorragende Sena-Android-App (gibt's wohl auch für Apple) beliebig ändern.

    Die Lautstärke ist gegenüber den G9 phänomenal. Die Rauschunterdrückung arbeitet perfekt, wenn die Gesprächspartner verbunden sind, aber beide schweigen, ist Ruhe in den Lautsprechern.

    Nun zum wichtigsten für Gruppen: die Reichweite. Auf gerader Strecke mit Sichtkontakt und wenig Verkehr haben wir 700 Meter schon ohne Probleme erreicht - das ist verdammt weit. Bei "normalen" Abständen, wo sich drei Moppeds auf kaum mal mehr als 200 bis 300 Meter verteilen, ist die Kommunikation um die Ecke/Kurve herum auch bei leichtem Baumbestand, Hecken oder kleineren baulichen Hinternissen (Gartenhütte, Tankstelle, etc.) völlig problemfrei; erst wenn keinerlei Sichtkontakt irgendwelcher Art mehr zwischen den Geräten vorhanden ist, reißt die Verbindung ab; um die Hausecke herum geht Bluetooth halt nicht.Zum wirklichen Abreißen der Verbindung kommt es aber selbst dann gar nicht; die Geräte haben meist noch gaaanz geringen Kontakt, so daß nach dem Hindernis das Gespräch unmittelbar fortgesetzt wird. Diese Werte gelten für die HD-Verbindung. Wer HD abschaltet, bekommt eine geringfügige Verschlechterung der Qualität, dafür aber noch mehr Reichweite. Wenn eine Konferenz geführt wird (d.h. mehr als zwei Teilnehmer gleichzeitig) schaltet das System automatisch HD ab und bei Rückkehr zu einem Zweier-Gespräch automatisch zurück auf HD.

    Der Beitritt eines weiteren Gesprächspartners funktioniert in alle Richtungen - jeder der bereits Sprechenden kann einen weiteren Partner hereinnehmen und jeder noch nicht Beteiligte kann sich bei jedem anderen Partner einwählen.

    Die Verbindung mit Handy (und die Nutzung mit Spotify als Music Player) funktioniert astrein und simpel, gleiches für die parallele Verbindung zum Navi (bei uns ein TomTom Rider 450). Die Musikwiedergabe setzt automatisch fort, wenn ein zwischenzeitliches Gespräch o.ä. beendet wird.

    Der Akku hinten am Helm stört überhaupt nicht, er ist kaum größer als eine Streichholzschachtel und vielleicht halb so dick.

    Zwei HInweise noch:

    Es gibt auch ein SMH10R, das bitte nicht mit dem hier bewerteten 10R verwechseln. Die Unterschiede der beiden Geräte sind recht schnell erklärt:

    SMH10R hat Bluetooth 3.0, das 10R hat Bluetooth 4.1, was die Sprachqualität erheblich verbessert.

    SMH10R hat kein Radio, 10R hat Radio, übrigens wohl mit RDS und automatischem Frequenzwechsel, wenn ich es richtig verstanden habe.

    SMH10R hat einen anderen Akku als das 10R; jedenfalls haben sie unterschiedliche Stecker. Für den SMH10R-Akku gibt es einen Adapter auf USB, so daß man ihn direkt laden kann; für das 10R geht das nicht. In einer Bewertung bei Louis habe ich von einem Kollegen gelesen, dem wohl für sein Gerät der falsche Akku geschickt wurde und der dann den Stecker umgebastelt hat (ich weiß nicht mehr von welchem System auf welches); das ist vermutlich keine gute Idee, weil der Unterschied nicht nur der Stecker sein mag, sondern evt. auch in einem der Akkus eine Ladeelektronik verbaut sein mag und im anderen evt. nicht. Die Akkulaufzeit des 10S soll laut Sena jene des SMH10R noch übertreffen; so oder so reicht die Akkuladung für lange Tagestouren.

    SMH10R wird von der Sena-App nicht unterstützt (das 10R aber schon; die App ist toll gemacht und wirklich nützlich); Sena hat dazu einen Beitrag in der englischen FAQ; mangels benötigter Hardware sei dies auch nicht nachträglich per Update einführbar.

    Fazit: Das 10R ist mein absoluter Tipp für Tourenfahrer. Tolle Haptik, aerodynamisch und sehr leise am Helm, einwandfreie Qualität, toller Sound, simples Bedienkonzept, völlig staub- und wasserunempfindlich, weil es nur einen einzige, abgedeckte Mini-USB Ladebuchse gibt, alles andere ist ab Werk schon dicht und die auf der wetterabgewandten Seite liegende Ladebuchse ist meiner Vermutung nach ähnlich wie bei Polar-Sportuhren per se wasserdicht und die Silikonkappe obendrauf nur ein zusätzlicher Staubschutz.

    Amazon konnte nicht selbst liefern sondern nur über den Marketplace; die Händler dort kenne ich alle nicht. Gekauft habe ich ein Doppel- und ein Einzelset deshalb bei Bikerland in Bad Kreuznach, einem unserer lokalen Händler mit Online-Handel, zu dem ich Vertrauen habe, das hierbei wieder nicht enttäuscht wurde.

    Meine Beiträge geben meine private Meinung wieder ohne Anspruch auf sachliche Richtigkeit.

  • Vielen Dank für die ausführliche Information. Nachdem ich bis jetzt von der "Tante" keine Antwort bezüglich Kompatibilität und Versorgung mit Zubehör und Ersatzteile für Louis Spezial Edition bekam, bestellte ich mir zu dem selben Preis im Netz das Sena SF4 Kommunikationssystem. Soll angeblich das selbe Gerät in einem enderen Outfit sein. Wir werde sehen....

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  • Wissen wir, aber danke. Wir bei HU und Overland Asia ebenfalls diskutiert. Da ist tatsächlich aktuell noch alles in der Schwebe; es gibt ´ne Menge Leute die z.T. nicht mal ne Wahl haben, weil sie derzeit auf dem Rückweg von Pakistan sind mit einem Einmal-Visum für PAK. Die Grenzer wissen selbst noch nichts genaues, Botschaften und Konsulate auch nicht, der ADAC steht in ständigem Kontakt mit dem iranischen Club. Das Thema wird sich hoffentlich in den nächsten 3 Wochen auflösen, ansonsten haben wir für Carnets und Visa gute 1.000 Euro verbrannt.... Panny und Simon sind derzeit in Georgien, dann hängen wir halt mit ihnen einige Zeit im Kaukasus ab.

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  • Klingt nicht gut.... Aber mit solchen Rückschläge musst du bei solchen Unternehmungen immer rechnen. In 2012 gab es in Chorugh auch eine bewaffnete Auseinandersetzung wodurch die Pamir Highway im Norden und Süden dicht gemacht wurde. Also nach 10tkm ohne mein Hauptziel zu sehen nach Dushanbe weiter gefahren.... Zur Zeit kannst nirgends mehr hin. Nordafrika (außer Marokko) empfinde ich auch unsicher, Syrien ist auch nicht so empfehlenswert, in der Ost-Ukraine herrscht auch eine komische Stimmung, usw.


    Jetzt bin ich aber gespannt, Iran steht bei mir auch noch auf der Liste. Würdest du uns (mich) bitte diesbezüglich auf dem laufenden halten?

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  • Im Moment gibt´s einige Berichte von freier Passage in den Iran, hängt evt. von der Nationalität ab; Deutsche scheinen keine Schwierigkeiten zu haben. Wir werden es erleben und berichten...
    Grüße

    Chris

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