Restaurierung einer BMW R 75/5

  • ch finde es grundsätzlich schön, wenn die Erhaltung von rollendem Kulturgut, egal ob ein unmotorisiertes Zweirad oder eine Dampflokomotive, dem geneigten Seher verständlich aufbereitet wird, aber...


    ... Restaurierung sollte doch die Erhaltung von Erhaltenswertem sein und nicht "Wir machen mal schnell (in 2 Monaten) alles neu".

    Na ja ich hatte mir auch schon meinen Teil gedacht, als er sofort die Sitzbank, Tank und den Motor erneuerte durch brauchbaren oder besseren Ersatz.

    Man kann so etwas retten, aber dann wird die Brühe teurer als das Fleisch. Der wird die Teile gebunkert haben oder an speziellen Personen weiter geben.

    Ganz klar mußte er kostenorientiert und rational arbeiten sonst ist der zum Schluß aufgerufene stolze Preis nicht zu halten. Aus Nächstenliebe macht der das nicht.

    Was das Rahmenpulvern anbelangt da war ich auch im Zwiespalt, aber wenn das ordentlich gemacht wird und mir scheint er hat da eine gute Adresse.

    Was die Frau mit dem Pinsel hinlegte, war eindeutig Handwerkskunst. Ich finde man spürte die Erfahrung die er mit diesem Modell hat und solche Leute wie sein Vater die werden immer weniger.

    Das ist eine ordentliche mit Kompromissen behaftete Restaurierung. Ok das mit dem Emblem :/ keine Ahnung

  • Ich habe hier selber zwei Oldtimer Motorräder (Wanderer 98 von 1937 und Zündapp DB203 von 1952) und stehe vor demselben Problem.


    Beispiel Zündapp Räder: Speichen verrostet, Felgen verrostet. Beides aber noch fahrbar, würde auch durch den TÜV kommen. Trotzdem wird das neu gemacht. Die Nabenteile sind gerade beim Pulverbeschichter. Ich will mit dem Ding fahren, es soll nicht als "Kulturgut" im Museum stehen. Wenn ich das Ding aber fahren will dann will ich keine verrosteten und gammeligen Räder haben - auch wenn das dem Alter von 68 Jahren angemessen wäre.


    Beispiel Zündapp Sitzbank. Das Teil hatte gar keine Sitzbank sondern einen Sattel. Irgendwann in den Sechzigern hat da mal einer eine selbstgestrickte Sitzbank der übelsten Art drauf geschraubt. Das ist zeitgenössisch, keine Frage. Aber hässlich. Das Teil ist längst entsorgt und der Originalsattel ist montiert.


    Wenn man damit fahren möchte dann wird das eben hinreichend anständig gemacht. Mit hinreichend meine ich das Verhältnis zwischen den Kosten und dem Zeitwert der fertigen Maschine.

    Der "Glanzgrad" der Rahmenfarbe ist mir da sowas von wurscht - mir ist eher wichtig dass das nicht nach dem ersten Regen rostet. Pulverbeschichten ist günstig und gut. Man kann natürlich auch zum Lackierer gehen und das mit Farbe machen, in mehreren Schichten. Wird mehr als doppelt so teuer. Das ist einfach unwirtschaftlich.

  • Wenn man damit fahren möchte dann wird das eben hinreichend anständig gemacht. Mit hinreichend meine ich das Verhältnis zwischen den Kosten und dem Zeitwert der fertigen Maschine.

    Dem kann ich mich anschließen und passt mir auch in den Kram.

    Ich kann die 100%igen Restaurationsfans verstehen, auch diejenigen, die mit alten Fahrzeugen und modernen Komponenten

    "fahrbare Untersätze" basteln.

    Das Hobby an/mit "Young-, Oldtimer basteln, teil-oder vollrestaurieren" ist eben vielschichtig bestehend aus verschiedenen

    Grautönen, mal heller, mal dunkler, also ob Werterhalt, Wertsteigerung oder einfach nur alte Teile fahren bis nix mehr geht...


    Meine erste Erfahrung war eine über 30 Jahre alte CX 500, sah aus, wie aus dem Tümpel gezogen.

    Ich wollte einfach mal so ein altes Teil fahren. Also hab ich sie nach meinen Wünschen nur aufgehübscht, repariert und am laufen gehalten. Bin damit täglich, auch im Winter, unterwegs gewesen, in Deutschland und angrenzende Länder.


    Dann hab ich mir eine zweite dazu geholt, glänzendes Teil, sah toll aus. Motor defekt!

    Und das war mein Start für ein Projekt: Teile poliert, verchromt, gepulvert, Teile neu gekauft, neue Nachbauten,

    zweiten Tank, doppelt Felgen, Rahmen geflext u. geschweißt, Motor ( ich hatte drei ) mit Kumpel geöffnet und neu gemacht... zweimal!


    Viel Schweiß, Zeit und Geld gelassen.... aufgegeben und alles verkauft... und natürlich... minus gemacht, klar.


    Ich bin also kein "Restaurierer", aber möchte so alte Teile fahren, am liebsten täglich, den ganzen Tag :biggrin:


    Und nun hab ich mir vor ein paar Jahren zwei alte BMW K gekauft, eine 100er und eine 75er, beide naked.

    Die K 75 ist geblieben, wird als Alltagsmotorrad gefahren, auch im Winter und am leben gehalten.

    Und wenn sie optisch nachlässt, wird nachgebessert.


    Wer eine Wertsteigerung für seinen Oldi möchte, soll dies tun, mit einer roten Nummer zu Treffen fahren oder seinen Oldi

    in die Garage stellen und sich an der originalen Patina erfreuen.

    Ich bin derjenige, der alte Teile gerne fährt und Freude daran hat, sie zu erhalten.

    Andere kaufen und bauen um und wiederum Andere kaufen nagelneue Motorräder im Retrodesign aber mit moderner

    Technik.


    Unser Hobby ist nun mal facettenreich.





    Zylinder statt Kinder

    Gruß Jürgen

  • Hab selber noch eine 81er Suzuki GS1000G. Zustand würde ich mit 3 bezeichnen. Hat Patima, ist weit weg von Concours-Fähigkeit, Wertsteigerung?, hat mich nun 140.000 km begleitet und bleibt bis ich nicht mehr kann, geht dann hoffentlich in die Hände des Jüngsten über (er möchte jetzt den 125er-Schein machen) usw usf.

    Würde mit ihr ohne Bedenken und auf der Stelle überall hinfahren, obwohl sie nicht mehr dramatisch viel im Jahr bewegt wird. Letzte grosse Tour aus dem Stand war 2017 Sardinien. 2700 km, null problemo.

    Verstehe jeden Sammler mit Perfektionsdrang, man soll ja angeblich in Sachwerte investieren, persönlich und da halte ich es so wie die Vorschreiber, möchte ich die Teile bewegen.

    Es gibt kein besseres Wellness-Programm.


    Merry Xmas

    If you fall, I'll be there (Floor)

  • Ich habe mir den Film jetzt mal angeschaut. Ich kann nicht begreifen, dass der Zweiradmechanikermeister erst bei der Hälfte des Films mitkriegt, dass ein kapitaler Motorschaden vorliegt. Wenn der Motor nicht dreht, fängt man gar nicht erst an. Am Schluss ist die Maschine zum Teil überrestauriert. Anders bei dieser netten Arbeit aus Russland. Der Meister dort ist Mechaniker, Chemiker, Galvaniseur, Lackierer und was nicht alles. Da werden die alten Schrauben aufgearbeitet. Die Stahlfelgen wurden gerettet. Dass man so verzinken kann, hätte ich nicht geahnt. Spitze. Am Ende ist die gute Ural aber auch überrestauriert.


    Restaurierung eines alten sowjetischen Motorrades

  • Ich glaube das mit dem Motor war zu anfang klar, wurde aber nicht an den Anfang hin geschnitten im Film. Wir reden hier nicht von einem Hobbyschrauber sondern von einer Profiwerkstatt. Wenn das eine Kundenmaschine ist, wird vorher schon ein Kostenvoranschlag gemacht, in dem alles drin steht und der relativ bindend ist. Wenn er sowas für sich selbst macht, wird er sogar noch genauer vorher hinschauen, was sich noch lohnt und was nicht.


    Das es Filmschnittmässig sich anders darstellt, dürfte auch dran liegen, das ein Schrauber und Firmeninhaber eher weniger jemand ist der Filme macht, schneidet, publiziert. Also wurde das Outsourced und derjenige hat eben eigene Vorstellungen. Man darf ja auch von einer gewissen Grundkenntniss bei den Leuten ausgehen, die sich sowas spezielles anschauen. Und nicht meinen das hier dokumentarisch fortlaufend gefilmt wurde


    Schau, ich habe ebenfalls ne Actioncam, habe ne Schnittsoftware und komme am Abend zuhause mit 3-6std Filmmaterial an, das ich auf 20-40 Minuten komprommiere. Da wurschtel ich auch auch öfters Scenen aneinander, die nicht in dieser Reihenfolge gefahren wurde. zB weil mitten im Turn so ein Megahighlight war und ich mich entschliesse, das ans Ende zu stellen und die Kurvenhatz bis zu diesem Punkt zu steigern. So bekomme ich eine gewisse Dramaturgie zusammen. Und wer das nicht sehen will, kann leichter vorspulen ohne was zu verpassen zwischendrin.

  • Ich habe mir den Film jetzt mal angeschaut. Ich kann nicht begreifen, dass der Zweiradmechanikermeister erst bei der Hälfte des Films mitkriegt, dass ein kapitaler Motorschaden vorliegt. Wenn der Motor nicht dreht, fängt man gar nicht erst an. Am Schluss ist die Maschine zum Teil überrestauriert. Anders bei dieser netten Arbeit aus Russland. Der Meister dort ist Mechaniker, Chemiker, Galvaniseur, Lackierer und was nicht alles. Da werden die alten Schrauben aufgearbeitet. Die Stahlfelgen wurden gerettet. Dass man so verzinken kann, hätte ich nicht geahnt. Spitze. Am Ende ist die gute Ural aber auch überrestauriert.


    Restaurierung eines alten sowjetischen Motorrades

    Ähem, mit Verlaub: Ich möchte die Leistung des russischen 'Meisters' nicht kleinreden- aber hier von Restaurierung oder Rettung zu sprechen, ist imho besonders im Fall der Räder/Felgen stark übertrieben. Die sind vor allem im Bereich der Speichennippel extrem korrodiert und wurden lediglich überlackiert. Stelle mir gerade vor, es ist eine Speiche (oder gar mehrere, würde mich bei deren Zustand jetzt nicht unbedingt überraschen...) gerissen und soll (womöglich unterwegs) getauscht werden... :giggle:

    Damit würde ich jedenfalls keine längere Fahrt antreten!