Vergaser undicht?

  • So, nachdem das Thema mit diesem ominösen Blech an der Schalldämpfer-Schelle durch ist, habe ich den Vergaser jetzt ausgebaut und frage mich, ob der Siff, den ich da sehe von außen kommt oder in Folge einer kaputten Dichtung aus dem Vergaser ausgetreten ist oder ob der auf sonst einen defekt am Vergaser hinweist.


    Ich hatte die Vergaser 2017 ausgebaut und zum Reinigen zum Händler gebracht und anschließend wieder eingebaut. Jetzt tropfte am Samstag immer wieder Benzin vom hochgeklappten Hauptständer, das bei genauerer Nachverfolgung anscheinend vom Vergaser kam. Dort bildete sich unten an der Schwimmerkammer nämlich auch immer wieder ein Tropfen. Auch schon vorher ist es immer wieder vorgekommen, dass von irgendwoher Benzin auf die Straße floss, z.B. wenn ich die Kiste mit offenem Benzinhahn auf dem Seitenständer stehen habe. Ich hab halt immer den Benzinhahn zugedreht, und das Problem war behoben. Allerdings startet die Maschine auch schlecht, wenn ich z,B. kurz nach dem ersten Start am Morgen zur Tanke fahre und dann wieder starten will (weiß nicht, ob das damit zusammenhängt, kann aber auch sein, dass ich das nicht optimal mache mit Choke und so). Auf jeden Fall war da am Samstag - und auch schon vorher - immer wieder der Sprit auf der Straße. Jetzt wollte ich der Sache aber mal genauer auf den Grund gehen.


    Was meint ihr, wonach sieht das aus?

    IMG_2128.jpg


    IMG_2129.jpg



    Ich frage mich, ob ich den Vergaser auseinandernehmen muss. Vielleicht ist ja der Schwimmer defekt. Aber wenn ich's vermeiden kann...

  • So wie es aussieht, hast Du die Vergaser ja schon ausgebaut - dann würde ich sie auch gleich nochmal komplett reinigen. Das Tropfen kommt mit 99%iger Wahrscheinlichkeit von einem ausgehärteten O-Ring (7x1,5, gibt's im gut sortierten Zubehörhandel, aber unbedingt 'Viton' als Material wählen). Der sitzt unter dem Schwimmernadelventil und wird gerne undicht. Anleitung zum Vergaserausbau/-reinigung/-überholung:

    und folgende...


    Beste Grüße

    Gerd

  • Lieber Gerd,


    vielen Dank, das sind super Videos!!!


    Jetzt frage ich mich, ob ich gleich die kompletten Reparatusets bestelle, die im Video gezeigt werden und alle Teile austausche :/


    Ich schau mal, was ich mache.


    Viele Grüße

  • Je nach Zustand reicht imho auch eine gründliche Reinigung mit Austausch lediglich der (versprödeten) O-Ringe (Schwimmerkammerdichtung nicht vergessen!). Reparatursets zweifelhafter Herkunft (günstig im Internet geschossen) führen oft zu neuen Problemen. Abgesehen von den O-Ringen sowie Schwimmernadelventil, Mischrohr (in dem die Düsennadel läuft), Drosselklappenwelle (bzw. deren Bohrung im Gehäuse) und Schiebermembran verschleißt, altert oder verstellt sich da eigentlich nichts. Zu dem Thema siehe auch: RE: BMW F650 E169 Schwachpunkte und Abhilfemaßnahmen

  • Danke Dir, Eintopfer.


    Was versteht man unter einer gründlichen Reinigung? Muss ich mir dafür ein Ultraschallbad zulegen und einen Kompressor? Wie hat man das früher gemacht? Einfach nur mit Benzin etwaige Rückstände ablösen oder mit Essigessenz?

  • Ich habe einige Mikuni Vergaser aus F und ST zerlegt und mit neuen Dichtungen und Membranen versehen. Bei keinem war eine Reinigung erforderlich. Wenn schon Kraftstofffilter nichts auffangen, woher sollten dann großartige Ablagerungen kommen?

    Man muss auch nach meiner Erfahrung weder Druckluft noch Ultraschall einsetzen. Eine Zahnbürste tut es auch. Düsen sollte man tauschen, wenn man meint und auf keinen Fall mit irgendwelchen metallischen Dingen traktieren.

    Ich habe grundsätzlich die Gehäuseschrauben, die sich oft kaum lösen lassen (PUK-Säge plus Grip-Zange) durch Edelstahl Innensechskant mit entsprechenden U-Scheiben ersetzt. Wem Torx besser gefällt...

  • sers,


    Wie hat man das früher gemacht? Einfach nur mit Benzin etwaige Rückstände ablösen oder mit Essigessenz?

    essigsäure, ne, wirklich nicht. du hast doch keine kalkablagerungen im vergaser oder?


    vergaser reinigen ging so:


    gilt für die bing schieber und unterdruck vergaser, andere hatte ich nicht. ist aber vom prinzip her eh alles gleich.


    du brauchst me büchse mit petroleum, ersatzweise diesel. benzin tuts auch, ist aber 3. wahl, schon alleine wg. stinken, feuergefahr sowieso

    nen harten pinsel

    ein wenig weichen messing oder kupferdraht für die düsen z.b. aus nem stromkabel. der ‼️ aus drahtbürsten ist zu hart ‼️

    dann wurde der vergaser zerlegt und im petroleum ausgewaschen/ abgepinselt.

    die düsen werden durchgeblasen, das reicht meist. du kannst aber auch mit dem draht durch die düsenlöcher durchstochern.

    aber achtung!

    der draht !!muss!! wirklich weich sein, sonst veränderst den durchmesser und damit den durchfluss


    das wars eigenlich, mehr hab ich nie gemacht und grossartig dreck war auch nie zu finden.

    schwimmernadel wurde gleich mit dem fingernagel mitgeprüft auf riefen/einlaufen/absätze.

    zusammengebaut, grundeinstellung gemacht und der vergaser war wieder einer und kein versager mehr...


    ein anderes thema sind allerdings verharzungen durch langes stehen. da macht ultraschall m.e. schon sinn, auch bei den nebenluft-kanälen in den drosselklappen der einspritzer.


    hope it helps,

    ralph

  • Was versteht man unter einer gründlichen Reinigung? Muss ich mir dafür ein Ultraschallbad zulegen und einen Kompressor?

    Zunächst wäscht man die Vergaser äußerlich in einer Schale mit einem Pinsel ab - ob man dazu Benzin, Diesel oder Bremsenreiniger verwendet, ist dabei eher zweitrangig. Dann werden die Vergaser einzeln (Gehäuse dabei aber möglichst nicht voneinander trennen) zerlegt. Einzelteile nicht untereinander vermischen - Zerlegung am Besten nacheinander vornehmen (hat den Vorteil, daß eine Vermischung ausgeschlossen ist und man sich - falls beim Zusammenbau Zweifel auftreten - notfalls an dem vollständigen Vergaser orientieren kann). Keine Teile verlieren und Einbaureihenfolge und -ort merken! Ein Ultraschallbad wäre vorteilhaft, es geht aber auch ohne: Kleinteile, insbesondere die Düsen, und sämtliche Bohrungen und Kanäle mit Bremsenreiniger (der löst Schmutz und Rückstände sehr gut) einweichen und durchblasen (ein Kompressor mit Ausblaspistole wäre auch wieder von Vorteil, aber zur Not geht auch eine Handpumpe für Bälle, allerdings braucht man dann zusätzlich helfende Hände). Von einer Reinigung der Düsen mit irgendwelchen Werkzeugen rate ich ab, selbst wenn es ein weicher Messing- oder Kupferdraht ist. Die Düsen sind nämlich auch aus relativ weichem Messing! Durch Einweichen mit Bremsenreiniger und Durchblasen werden in der Regel auch alle Verharzungen und Kraftstoffablagerungen (ja, die gibt es - vor allem bei längeren Standzeiten) entfernt. Zusammenbauen und einstellen wie im Video, und fertig ist's.


    Viel Erfolg und beste Grüße

    Gerd

  • Noch ein Tipp, bevor Du irgendwelche Schrauben vergnaddelst:


    Die (oftmals sehr fest sitzenden) Kreuzschlitzschrauben (z.B. der Schwimmerkammer) japanischer Herkunft haben eine andere Geometrie als unsere, man braucht eigentlich dafür genau passende Kreuzschlitzschraubendreher. Ein guter und unverschlissener 'europäischer' Schraubendreher und ein leichter Hammerschlag auf den Schraubenkopf tut's aber meist auch...

    Und gaaaaanz viel Gefühl bei der Kunststoffmutter des Chokezuges, die geht sehr leicht kaputt!

  • Ekkehart, <ralph>, Eintopfer,


    vielen herzlichen Dank für eure Erklärungen und Tips. Damit komme ich klar. Ihr seid super!!!!

    (Vielleicht gönne ich mir aber trotzdem einen kleinen Kompressor. Kamma ja imma ma gebrauchen. :wink:)

  • Hallo Chris,


    ich habe mal gelesen, daß Benzin nach einer gewissen Zeit und unter bestimmten Umständen auch polymerisieren kann. Welche Umstände das sein müssen, und ob das dann genau so aussieht wie auf Deinem Bild weiß ich allerdings ebenso wenig wie ich noch weiß, wo ich das gelesen habe... :g:


    Beste Grüße

    Gerd

  • sers chris,


    grün deutet auf kupfer/chrom hin. chrom scheide ich im vergaser mal aus, aber kupfer ist im aluminium-druckguss des gehäuses mit drin wegen der fliesseigenschaften beim giessen.


    für mich schaut das nach wasser (und das ist leicht mal im tank drin -stichwort kondenswasser) + gammel in verbindung mit korrosion aus. bilde mir ein, ähnliches vor x-1000 jahren in der 50er hercules oder der 250er adler gesehen zu haben. war so ein gallert artiges zeug, nicht wirklich gel, halt etwas flüssiger.

    auf korrosion durch wasser deutet auch die dunklere stelle links oben in der schwimmerkammer hin.


    ganz pragmatisch:

    rausmachen und beobachten obs wieder auftritt. da kommt gleich die frage auf, wann du die schwimmerkammer das letzte mal offen hattest.


    gruss ralph

  • grün deutet auf kupfer

    Dachte schon an Grünspan...


    Hab sowas ähnlich letzt beim F650ST neueigner in Oschersleben gesehn

    in der f 650 st/gs deutsch im fb...dort wars aber nur die Leerlaufdüse ...mit Grünspanbelag.

    Bj 98 mit gerade 19k auf dem Tacho und ewigen Standzeiten...

    vosse müßte den Timo auch erspäht haben mit seinem Neuerweerb.....nebst anderen Standschäden

  • da kommt gleich die frage auf, wann du die schwimmerkammer das letzte mal offen hattest.

    Moin Ralph,

    das ist aus einer etwas vernachlässigten Maschine, nicht meine. Ich bemühe mich gerade die wieder zum Laufen zu bringen. In der rechten Schwimmerkammer war auch etwas, aber wesentlich weniger von dem Zeug.


    Die linke Hand zum Gruß,
    Chris

  • Ich kenne die Ablagerungen zuerst aus den USA, da werden oft mehr als 10Prozent Alkohol zugemischt. Lässt man diese Suppe lange in der Schwimmerkammer, reagiert Alkohol und Benzin und bildet eine zähe, klebrige Masse. Lässt sich nur sehr schwer aus kleinen Bohrungen beseitigen.

  • Ich kenne die Ablagerungen zuerst aus den USA, da werden oft mehr als 10Prozent Alkohol zugemischt. Lässt man diese Suppe lange in der Schwimmerkammer, reagiert Alkohol und Benzin und bildet eine zähe, klebrige Masse. Lässt sich nur sehr schwer aus kleinen Bohrungen beseitigen.

    Gibts dafür mehr als nur deine Aussage. Den normalerweise kenne ich das nur, das ein drittes Material mit im Spiel ist und das dann zu einer Pampe vulcanisiert. zB ist ja Pattex so ein Klebstoff, der organische Stoffe zusammen mit Alkohole eindickt um zu kleben. Aber Benzin und Alkohol sind beides Kohlenwasserstoffe und reagieren ohne weitere Energie nicht miteinander. Zumal sie selbst ja Mischungen aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen sind.


    Aber ich lerne ja gerne dazu, vieleicht gibts da noch irgendeinen Quelle, die das genauer darlegen kann. Immerhin fahren Millionen Fahrzeuge damit. Auch mein Rasenmäher und der wird aus einem 20l Tank seit 3 Jahren versorgt. Dort hätte also schon längst sich was verkleben müssen. Verstehe das also nicht, wo der Unterschied zu deiner Erfahrung ist.

  • Ich glaub da eher an Schleim von außerirdischen Benzin saufenden Würmern.

    Aber bin auch echt ne Niete in Chemie.

    Woher sollte denn der viele Alkohol kommen? Tank mit in die Kneipe genommen?

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