Gabeldichtung wechseln an G 650 GS?

  • Hallo,


    nun habe ich das nächste Problem an einer 650´er . Diesmal an der G 650 GS (BJ 2011, 0188) meiner Freundin.

    Sie hat berechtigter Weise keine HU mehr bekommen, da die linke Gabel stark ölte und schon die Bremse nass war.

    Dichtung und Staubkappe besorgen kein Problem. Aber wie bekomt man die alte Dichtung raus?

    Eine Demontage der Gabel war bisher nicht möglich!
    Nach Lösen der Imbus Schraube unten konnte man zwar das Altöl rauskommen lassen. Standrohr und Gabel lassen aber nicht demontieren.

    Also brachte meine Freundin dann die Gabeln zur BMW Niederlassung einer großen Stadt. Dort wo sie das Motorrad vor vielen Jahren mal gebrauht gekauft hat.

    Nach zwei Wochen dann unverrichteter Dinge zurück erhalten mit dem Befund: "Standrohre nicht möglich aus Gleitrohre zu ziehen". Wenigstens haben sie dafür nichts berechnet.

    Heute habe ich dann mehrere Stunden probiert die defekte Dichtung aus der Gabel zu bekommen. Keine Chance!


    Wer hat eine Idee warum sich das Standrohr nicht mehr demontieren lässt, bzw. wie man die Gabeln trotzdem auseinander bekommt?


    Es handelt sich hierbei um die ganz billig produzierten Standrohre, an denen oben zur Vorspannung der Feder keine Schraube ist, sondern ein Verschlussstopfen, der mit einem (kaum zu lösenden) Sprengring gesichert ist.


    Die Gabeln welcher Motorräder könnten evtl. noch in die G 650 GS (0188) passen unter Beibehaltung von Rad und Bremse?

    In die Gabeln sind folgende BMW Artikelnummern eingegossen. Links: 7726769 und rechts 7726770

    (Hat vielleicht einer solche Gabeln noch rum liegen?)


    Erschwerend kam noch hinzu, das die Gabelbrücke mit 4 Edelstahlschrauben (in Aluminium :( ) befestigt war. Zwei liessen sich noch entfernen. Von zweien steckt das abgerissene Restgewinde in der Gabel. Alleine dafür muss die das Standrohr aus der Gabel.


    Ebenfalls noch keine Antwort (auch von BMW) haben wir erhalten welche Viskosität das Gabelöl haben muss.
    Das je Gabelholm 550 ml rein kommen konnten wir schon herausfinden.


    Über jeden sachdienlichen Tipp dankbar mit dem meine Freundin wieder eine neue HU bekommt.

  • Wenn die Rohre wirklich noch ok sind, dann muss man die Gabel nicht zwingend demontieren.

    Den Abstreifring bekommt man leicht mit einem Klebegewichtentferner abgehebelt.

    Klebegewichtentferner Schaber Rückstandsentferner Kleberesteentferner
    Klebegewichtentferner aus Kunststoff
    www.onlineshop-doenitz1968.de


    Die Dichtringe kann man mit einem Schraubendreher durchstechen und heraus hebeln.

    Dazu entweder einen Schraubendreher Kunststoffummanteltem Schaft verwenden, oder einen Pneumatikschlauch "drüber ziehen".


    Im zerlegten Zustand lassen sich die Dichtringe aber einfacher demontieren.


    Die meisten füllen Öl der Viskosität 10W auf.


    Die Sprengringe lassen sich sehr gut lösen und demontieren:

    - Gabelholm aus Moppet ausbauen und in Schraubstock einspannen (vorsichtig in weiche Backen oder in Vorrichtung)

    - Stopfen mittels großem Schraubendreher niederdrücken (mit der linken Hand, wenn du Rechtshänder bist)

    - mittels stabiler Nadel oder sehr dünnem Schraubendreher den Sprengring aushebeln (mit der rechten Hand, wenn du Rechtshänder bist)

    - Sprengring entnehmen

    - Axialen Druck auf dem Stopfen verringern, und dabei mit der zweiten Hand sichern, damit er nicht von der Federkraft heraus geworfen wird ...

    manchmal sitzt der Stopfen relativ fest und "kommt nicht von alleine" ... dann durch einfedern etwas nachhelfen und dabei den Stopfen mit einer Hand sichern :)


    Ich lasse das Öl über die Ablaufschraube ab (F650GS 2004 - sollte identisch mit der Gabel der G650GS sein) und pumpe, nach Entnahme der Feder, den Inhalt mit dem Standrohr weitestgehend aus.

    Danach stelle ich die Gabelholme (nicht zerlegt) über Kopf zum auslecken .. am besten über Nacht, damit möglichst alles Altöl raus ist ... muss man nicht machen, kann man aber ...

    Grüße aus Plattdeutschland

    Stephan

    Einmal editiert, zuletzt von obelixx ()

  • Die Dichtringe kann man mit einem Schraubendreher durchstechen und heraus hebeln.

    Dazu entweder einen Schraubendreher Kunststoffummanteltem Schaft verwenden, oder einen Pneumatikschlauch "drüber ziehen".

    Danke für den Hinweis mit dem 10 er Öl. Hätte ich vermutlich auch eingefüllt,.


    DAs mit dem Schraubendreher (und auch anderen Werkzeugen) geht nicht!
    Das Foto von meinem heute dabei verbogenen Schraubendreher habe ich auf dem Handy und nicht hier am Rechner.
    Auch mit anderen "geeigneten" Werkzeug keine Chance die Dichtung irgendwie auszuhebeln. Die sitzt Bombenfest.

    Dafür dürften jetzt diverse Gummistücke von der Dichtng in der Gabel sein.

    Die BMW Niederlassung schrieb übrigens noch "Wellendichtringe sind korrodiert"


    P.S: Die Anleitung hatte ich auch schon gefunden. Dort steht aber nicht wie man die Standrohre demontiert.

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  • Zitat aus dem Video "Dann geht durch ganz leichtes klopfen der Wellendichtring raus"
    Es wäre schön wenn es so wäre.
    Bei mir war irgendwann ein mechanischer Wiederstand an beiden Gabeln und auch die BMW Niederlassung hat es mit vermutlich schweren klopfen nicht geschafft den Dichtring zu demontieren.


    Von der theoretischen Übelegung her müsste der Dichtring mit der Alu-Gabel "korrodiert" sein.

    Was mich auch interessieren würde. Hat BMW bei der tatsächlich Edelstahlschruaben für die Gabelbrücke verwendet oder wollte der Vorbesitzer dem Motorrad vor langer Zeit was "gutes" tun?

  • Suche bitte mal mit einer Internet Suchmaschine nach "Reparaturanleitung F 650 Gs Pdf", es sollte sich etwas für die Einzylinder F finden lassen, dort sollte die Demontage beschrieben sein, zumindest in groben Zügen.


    Viele Grüße

    Torsten

  • Hast die Gabel im Bereich der Dichtung/Gleitbuchse angewärmt? So oder so, man liest öfters dass die Buchsen sich verklemmen und dann selbst mit roher Gewalt nicht auseinander kommen wollen. dzgruss hatte sowas rumliegen: Standrohre Gleitrohre Kernschrott oder für nen schmalen Taler ?!

    Hat BMW bei der tatsächlich Edelstahlschruaben für die Gabelbrücke verwendet

    Ja, hab auch schon mehrere abgerissen, trotz warmmachen und Schlagschrauber. Sind aber A4-80, also ähnlich fest wie normale 8.8 (im Gegensatz zu den "Baumarkt" A2).

    Hat vielleicht einer solche Gabeln noch rum liegen?

    Hab zwei für die F650 GS über: Gabel + Federbein R13 GS
    Ich denke die könnte passen, müsste aber überprüft werden. Soweit ich weiß wurde da nicht nur die Farbe verändert.


    PS: Sollte die Gabel doch auseinander wollen brauchst ziemlich sicher neue Gleitbuchsen. Die Telefonbeschichtung überlebt das "sanfte" Auseinanderziehen nicht immer unbeschadet, außer es geht wirklich mit sehr wenig Kraftaufwand.

  • Hast du die Rohre schon zerlegt ?

    Bei unseren Gabeln konnte man die Gleitlagerbuchsen "nicht sanft auseinander ziehen".

    Die mußte man "kernig auseinander auseinander rucken" ... dann gingen sie auseinander.

    Das Ersetzten der Gleitlager ist dann nur noch ein Kinderspiel ...



    An ein Moppet gehören an festigkeitsrelevante Punkte keine Niro Schrauben !

    Ausser zur Befestigung von Verleidungs-Kunstsoffteilen etc. !


    A4-80 ist nicht global mit 8.8 gleichzusetzen.

    Da gibt es eine ganze Menge kleiner Unterschiede wie z.B. Reibkoeffizient und Dehnverhalten !

    Und diese Werte beeinflussen z.B. das Anzugsmoment sehr erheblich !


    Ich bin der Meinung

    Grüße aus Plattdeutschland

    Stephan

  • Ähnlich, nicht gleich. Schau ins Tabellenbuch...

    BMW verbaut die ab Werk so und gibt ein entsprechendes Anzugsmoment vor. Gabelbrücke/Lenker ebenso. Wenn du jetzt der Meinung bist dass eine 12.9 in Aluguss geschraubt mehr Sicherheit bietet rede ich dir das nicht aus ;).

  • Schon mal Danke für die Tipps.
    Ein gewalltsammes auseinander ziehen habe ich noch nicht probiert. Wenn das nicht klappt benötige ich ein Plan B (Alternative Gabeln) damit die 650er bald wieder eine HU bekommt.


    Beim Thema Edelstahl geht es mir nicht um die Festigkeit!
    Sondern um Metallkorrosion

    Nach 2-4 Jahren bekommt man kein Edelstahlteil mehr aus Aluminium!
    So auch geschehen bein den ABS Sensoren die BMW Mitte der 90er an den Vierventil Boxern verbaut hat. Die hatten eine Edelstahlgehäuse.
    Nach 4 Jahren lies sich kein Sensor mehr Zerstörungsfrei aus der Gabel ziehen. Seitdem sitzen sie in enem Kunststoffgehäuse...

  • Nach 2-4 Jahren bekommt man kein Edelstahlteil mehr aus Aluminium!

    das würde ich so nicht unterschreiben.


    Ausbau der Edelstahlschrauben an der Dakar nach ca. 5 Jahren Einbauzeit, 3 von 4 kein Problem, eine ausgebohrt.

    Vier Jahre später, Ausbau 4 von 4 kein Problem.


    Dazu wird die Dakar auch teilweise im Winter eingesetzt, was die Kontaktkorrosion aufgrund des Streusalzes noch verstärken sollte.

    Aber vielleicht hängt das auch von den jeweils verwendeten Legierungen ab.


    Aber der Kommentar hat ja eigentlich nichts mit dem Hauptproblem zu tun und warum da Edelstahlschrauben verwendet wurde erschliesst sich mir auch nicht so ganz.


    Zitat aus dem Video "Dann geht durch ganz leichtes klopfen der Wellendichtring raus"

    zumindest bei der F kann ich das so bestätigen.


    Auch mit anderen "geeigneten" Werkzeug keine Chance die Dichtung irgendwie auszuhebeln. Die sitzt Bombenfest.

    ich habe die Tiefe des Dichtringes gerade nicht im Kopf, aber kann man in den WDR z.B. 4 Löcher bohren und dann versuchen z.B. mit Spax den WDR abzudrücken?

    Natürlich ohne die Chromschicht des Standrohrs zu beschädigen.


    Das Zerlegen der Gabel wäre natürlich besser als nur die WDR's zu tauschen.

  • Ähnlich, nicht gleich. Schau ins Tabellenbuch...

    BMW verbaut die ab Werk so und gibt ein entsprechendes Anzugsmoment vor. Gabelbrücke/Lenker ebenso. Wenn du jetzt der Meinung bist dass eine 12.9 in Aluguss geschraubt mehr Sicherheit bietet rede ich dir das nicht aus ;).

    Richtig !

    Dort wo BMW seine Original-(wahrscheinlich) A4-Schrauben (Edelstahl ist ein viel weitreichenderer Begriff und betrifft nicht nur "korrosionsrestente Stähle") verwendet, da gibt es dann auch passende Anzugsmomente (und das ist dann die "Auslegung des Fahrzeugherstellers) !


    Es ging aber "oben" um den Austausch.


    Einfach "mal so die 8.8 oder 10.9-Schrauben austauschen" ist m.E. grob fahrlässig !

    Nur darum ging es, und darum, dass dann die Anzugsmomente etc. angepasst werden müssen.


    Und man sollte auch die nötigen Vorbereitungen treffen, wenn denn "Niro-Schraubungen" in Bohrungen in "Niro-Werkstoffen" eingeschraubt werden !

    Dazu sollte man besser spezielle "Anti Seize-Pasten" verwenden, damit man nicht den "Fresser des Tages erleben" möchte !

    Grüße aus Plattdeutschland

    Stephan

  • ... Rohre rausziehen ...


    Man muss ggf. schon (mit Anlauf) kräftig rucken, dann bekommt man die Teile auch auseinander !


    Aber vorher müssen alle anderen Teile, die dies verhindern würden, demontiert werden !

    Grüße aus Plattdeutschland

    Stephan

  • Schon mal Danke für die Tipps.
    Ein gewalltsammes auseinander ziehen habe ich noch nicht probiert. Wenn das nicht klappt benötige ich ein Plan B (Alternative Gabeln) damit die 650er bald wieder eine HU bekommt.

    Gewaltsames auseinander ziehen ging nicht. In einer 1-2 Stündigen Sisyphusarbeit je Dichtung habe ich die mittlerweile Bombenfesten Dichtungen entfernt....
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    Auch die Edelstahlreste konnte ich ausbohrenund beide Gewinde retten
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    Wer so etwas kontruiert gehört ersch.....


    Linke Standrohr muss erneuert werden. Alle fehlenden Teile bestellt.

    Hoffe kommen Samstag fährt sie wieder und bekommt in der nächsten Woche HU.


    Da hat BMW absolut billig produziert.....


    Geht nicht gibt es nicht :)

  • Was ist den das ?

    Gammel zwischen Dichtring und Tauchrohr ?

    Da war dann bestimmt zwischen Abstreifring und Dichtring gar kein Fette eingefüllt ... da stand wohl lange Wasser ?


    Tipp:

    Festsitzende Teile mit Kontaktkorrosion zwischen Alu und Stahl kann man relativ gut mit "CocaCola" lösen !

    Man muss den braunen Säureträger nur ein paar Tage einwirken lassen - selbst dereinst bei "Rennrad-Rahmen-Problemfällen" getestet !

    Grüße aus Plattdeutschland

    Stephan

  • Der Dichtring ist gerostet. Das sollte normalerweise nie passieren. Entweder ist hier ein Billigdichtring reingekommen ohne passende Kunststoffhülle(der orginal ist in Kunststoff eingelassen) oder extrem schlecht gepflegt worden, Wasser unter die Staubkappe und dann zusammen mit irgendwelchem Gammel vor sich hin gerostet. Ich denke mal nicht das bei der Ur-F hochwertige Teile und dann bei der GS Billigzeug verbaut wird. Kannst dir gerne meine anschauen, die waren zwar undicht, aber nicht rostig oder sonst wie beschädigt.


    Sieht ganz übel aus, aber würde da nicht die Schuld bei BMW suchen.