F650GS 05/07 2-spark läuft nicht (mehr)

  • Guten Tag Forum.


    Ich musste mich neu registrieren und habe mich nochmal vorgestellt:

    f650.de/forum/index.php?thread/119418/


    Ich habe seit gestern eine F650GS R13 in meiner Hobbywerkstatt. Gekauft als Schlachtfahrzeug, Motor springt nicht mehr an. Aber das Motorrad ist viel zu schade zum Schlachten, ich möchte das wieder auf die Straße bringen.


    gs07-1.jpg gs07-3.jpg


    Produktionsmonat 05/2007, 37.000km, R13, E650G, 0175 2-spark.


    Das Motorrad stand wenigstens 3 Jahre, wie es aussieht wohl abgedeckt im Freien. Oberflächenrost, Lenkungslager. Gabelservice, Bremsen, nichts, das man mit Geduld und Spucke wieder hinbekommt. Etwas, von dem ich reichlich wenig verstehe, ist Elektrik/Elektronik und da scheint der Hase im Pfeffer zu liegen.

    Ich habe die mausetote Batterie gegen einen neuen Gelakku ersetzt und den fast leeren Tank mit 5 LIter frischem Sprit gefüllt.

    Zündung an, ich höre es zweimal Klacken, lediglich das leise Summen der Kraftstoffpumpe, wie ich das von meinen vier anderen BMW - Motorrädern kenne, bleibt aus.

    Startversuch erfolglos, Motor dreht schön, aber da zündet nichts.


    Seitenständer ein paarmal aus- und eingeklappt, Leerlaufstellung kontrolliert, Notaus-Schalter gecheckt, alle 10 Sicherungen sind okay,

    Folgende Diagnose liefert das GS-911:


    dia3.jpg dia4.jpg


    Zündung ist an, Diagnosestecker sitzt richtig, GS911 erkennt ein "neues" Motorrad (6 sind gespeichert)


    dia1.jpg dia2.jpg


    Hat jemand einen Plan, wie ich am Besten vorgehe?

  • Hallo und willkommen


    Die sieht ja fast aus wie neu!



    Da würde ich die typischen Verdächtigen abarbeiten:

    - Stecker am Steuergerät (unter dem Sattel) abziehen und neu aufsetzen? Korrosion sichtbar?

    - Funke an der Kerze?

    - Einspritzdüse ausbauen > testen (Achtung, da spritzt Benzin - also Vorsicht!). Wie sieht der Strahl aus?

    - Gasgriff beim Starten nie drehen und die "Christbaumbeleutungsabfolge" abwarten, bevor du startest. Falls doch schon gemacht, nochmals Batterie abhängen und dann von vorne beginnen.

    - Was, wenn das restliche Benzin doch nur noch Kondenswasser war? Ggf. Tank komplett leeren und nochmals von vorne beginnen.

    - Was macht sie, wenn du Bremsenreiniger / Starthilfespray in die Drosselklappe sprühst?

    - Arbeitet der Leerlaufsteller?

    - Pumpe direkt an 12V anschliessen. Läuft?

  • Das arbeite ich jetzt gerade nach und nach ab.

    Die Frage war in erster Linie, weshalb das Steuergerät nicht mit dem GS.911 kommuniziert. Damit wäre die Fehlersuche deutlich einfacher.

    Die erste große Überraschung, gepaart mit großer Sauerei kam mit Abbau des Ansauggeräuschdämpfers, so heißt wohl die Airbox auf BMW'isch.


    Während ich noch mit der Schlauchklemme beschäftigt war, lief da Öl raus. Dass die Dinger von der Gehäuseentlüftung gerne ölig sind, ist mir nicht neu.

    Aber dass da ein Dreiviertelliter Öl rauskommt, das habe ich noch nie erlebt. Und diese F650GS ist Motorrad Nummer 180, das ich aufarbeite. Kein Schreibfehler. Einhundertachtzig.


    öli2.jpg öli1.jpg

  • Eventuell klassischer „Trockensumpf-Fehler“ des Vorbesitzers?

    Wenn der kalt ohne einhalten der korrekten Prozedur Öl nachfüllt, bis der peilstab sagt, es passt, ist halt viel zu viel Öl drin. Wenn er dann eine Zeit dem Motor laufen lässt haut der die plörre in die airbox…

    Dann auf jeden Fall den ansaugtrakt reinigen samt Drosselklappe und Bypass vom Leerlauf. Aber das wirst du ja bestimmt wissen, bloß der Vorbesitzer scheinbar nicht.

  • 0,8 Liter kamen raus. 0,1 davon auf meinen Werkstattteppich, bis ich es gemerkt habe. Elende Sauerei.


    Mit dem Öl meinen es manche besonders gut.

    Erinnert mich an eine 91er Yamaha XV 1100, die ich 2021 mit Motorschaden erwarb. Der Motor war fest.

    Nachdem ich etwa sechs Liter Öl abgelassen und frische drei Liter eingefüllt hatte, lief er wieder. Und das war keine wundersame Ölvermehrung durch Kraftstoff, das war nur Öl.


    Ich werde in bewährter Manier den ganzen Eimer weitgehend auseinandernehmen, jedes einzelne Teil prüfen, reinigen und wenn das durch ist, wieder zusammenbauen. Saugrohr mit Drosselklappe wandert dann ebenso durch den Ultraschall wie die zerlegten Bremssättel.


    Aber nochmal zurück zu meiner eigentlichen Frage, denn Zündfunke, Einspritzdüse, Bremsenreiniger-Test, das kenne ich eigentlich alles.

    Aber weshalb bekommt das GS911 keine Verbindung zum Steuergerät? Da liegt das Problem. Und deshalb bekommt auch die Benzinpumpe keinen Saft. Die kleine GS ist aktuell meine fünfte BMW. In der Garage stehen noch zwei 1200er GS, eine 800erGS und eine R1200C von 1998. Selbst bei dem alten cruiser finde ich die runde Diagnosedose und kann, bzw. konnte auslesen, weshalb das ABS streikte. Das zeigt die Software dann an: "Plungerfehler" und dann weiß ich, was zu tun ist. Defekten Druckmodulator ausbauen, an Compramas senden, 500 Euro abstecken und repariert wieder einbauen


    Diese "Nadel-im-Heuhaufen" Methode liegt mir gar nicht.

  • Zieh mal den Stecker vom Steuergerät, schau dir die Pins an, ob da Korrosion dran ist.


    Falls nicht, Spannungsversorgung Steuergerät prüfen.

    Wenn gegeben, Leitungen zum Diagnosestecker auf Durchgang prüfen. Wobei die auch ohne Diagnosegerät natürlich anspringen sollte.
    Deutet schon erstmal wirklich konkret auf ein Problem mit dem Steuergerät hin. Defekte sind selten, kommen aber vor.

  • - Stecker am Steuergerät (unter dem Sattel) abziehen und neu aufsetzen? Korrosion sichtbar?

    Ist da alles okay? Falls ja, bleibt nur messen. Sind die Relais, vor der Batterie unter der schwarzen Plastikabdeckung, iO? Ich vermute nicht.

    Nachtrag: Ist der Masseanschluss am Motorgehäuse fest und rostfrei, die Batteriekontakte werden ja wohl okay sein.


    Geht das Mäusekino (Singalleuchten der Tachoplatine) an. Grundsätzlich kann die auch abgesteckt werden, letzteres hat aber erstmal nichts mit Deinem Ausleseproblem zu tun.

  • Oha, den schönen Perser versaut...


    An zu viel Öl kanns ja kaum liegen. Schon gar nicht das Verbindungsproblem.
    Da würde ich mal den Kabeln folgen und wie ich oben auch schon schrieb, den Stecker ziehen und auf Korrosion prüfen.


    Gemäss Stromlaufplan (von der 1-Spark) sollte der Diagnosestecker vom Steuergerät bzw. via Sicherung F1 bestromt werden.

    Das dritte Kabel geht direkt ans Steuergerät.


    Idee: Durchgescheuerte Kabel hinter dem Verstellrad des Federbeins?

  • Erstmal fettes Lob, wie schnell man Hilfe bekommt.


    Sachstand 19 Uhr:


    - Zündfunke ist da

    - Einspritzung: nein

    - Bremsenreiniger in Saugrohr: Motor ballert sofort los

    - Bei Einschalten der Zündung hört man ein zweimaliges Klacken.

    - Sondierung mittels Motoren-Stetho: Was da klackert sitzt rechts unterhalb des ABS - Aggregats. Komme ich so nicht ran.


    Die beiden Stecker unter der großen Gummikappe am Tank unter der Sitzbank mutmaße ich als a) Füllstandsgeber Tankanzeige und b) Kraftstoffpumpe.

    Beide abgezogen und 12 V Spannung an beiden Kontakten im Wechsel angelegt: Passiert nichts.


    Dann sitzt davor die Alukiste-DME-BMS, das ist wohl das Steuergerät, DME könnte Digitale Motor Elektronik heißen und BMS kenne ich als Batterie Management System.

    Da ist ein schwarzer Anschluß drauf, bei dem ich einen Stecker vermute, den ich gerne abziehen und mit Kontaktspray behandeln würde. Aber ich habe keine Ahnung wie das abgeht und will keine Gewalt anwenden. Das ist bei BMW-Motorrädern immer falsch. Man kann lediglich das Deckelchen vom Stecker abclipsen, dann sehe ich zahllose Kabel, komme aber nicht an die Kontakte.


    Fotos dazu:


    benz.jpg steto.jpg stg.jpg DME BMS.jpg

  • a) Füllstandsgeber Tankanzeige und b) Kraftstoffpumpe

    Richtig. Da sollte aber am Tankgeber keine 12V angelegt werden. Der führt 12V und nach ca. 20 sec. Durchgang leuchtet die Tank-Lampe.

    Was sagt das Amperemeter? Würde die Pumpe blockieren (z.B. festkorrodiert), hätte man u.U. eine hohe Stromaufnahme?



    Die Sicherungen sind alle intakt?


    Ja, das ist das Steuergerät, korrekt.

    Wie man den Stecker des BMS abzieht, müssen andere sagen. Ich habe die "alte Version" bis 2004.

  • Da muss man - soweit ich mich erinnere - seitlich eine lasche rausziehen und dann irgendwas klappen oder einfach abziehen, probiere es mit der nötigen Vorsicht mal aus. Das ist aber auch der Stecker den toby meint bzgl der Frage nach korrosion an den Pins.

  • Die Sicherungen hatte ich einzeln rausgezogen und sichtgeprüft. So kleine Sicherungen als Ersatz habe ich leider nicht da.


    Ich denke, der weiße Stecker (Kabel weiß und braun) ist der Füllstandsgeber und der schwarze (grün und braun) der für die Kraftstoffpumpe. Diese Kabel sind auch dicker.

    Gehe ich weiter davon aus, dass braun Masse ist, müsste diese Pumpe eigentlich laufen, wenn ich 12V Spannung an die Kontakte anlege. Da passiert nichts.

    Ich habe nun alle Sicherungen nochmal rausgezogen, 1 und 2 versorgen Zündung, Pumpe und Steuergerät. Wenn ich Sicherung 2 einstecke, fängt im Cockpit etwas an zu surren, etwa 2 sek.


    Den Mechanismus des Steckers am Steuergerät habe ich herausgefunden. Man muss eine "Schublade" nach links rausziehen, dann geht der ab.


    Leider hat das Einsprühen mit Kontaktspray hier nichts geholfen, denn die Spritpumpe läuft weiterhin nicht an und es spritzt auch nichts ein. Das sieht man sonst bei geöffneter Drosselklappe


    Wie eingangs erwähnt, stehe ich mit Elektrik/Elektronik auf Kriegsfuß. Ich kann nicht mal einen Schalt-/Stromlaufplan lesen, ohne dass mir das vor den Augen verschwimmt


    In einem US-Forum zum GS-911 habe ich was gelesen, dass das GS911 das Steuergerät/Zündung der 2007er R13 nicht erkennt, weil es nur drei belegte Pins in der Buchse hat. Komisch.

  • Da muss man - soweit ich mich erinnere - seitlich eine lasche rausziehen und dann irgendwas klappen oder einfach abziehen, probiere es mit der nötigen Vorsicht mal aus. Das ist aber auch der Stecker den toby meint bzgl der Frage nach korrosion an den Pins.

    Richtig. Habe ich vorher entdeckt. Das muss man aber auch wissen... An jeder BMW anders. Die Kontakte sehen im Übrigen schön und sauber aus. Keine Korrosion. Einsprühen leider auch erfolglos.

  • Ich sage bis hier mal ganz herzlich Danke für die tolle Hilfestellung und mache jetzt Feierabend.


    An die 650er gehe ich frühestens am Mittwoch wieder, wenn mein Mitschrauber wieder da ist, der mehr von Elektrik versteht, als ich.

    Ich habe gerade auch andere Sorgen, Nachricht von meiner Tochter und Familie aus Siniscola auf Sardinien, mein jüngster Enkel hat sich den ganzen Tag übergeben und liegt jetzt zur Beobachtung im Krankenhaus in Nuoro. Der Zwerg ist 31 Monate alt. Am Montag sollten die heimfliegen.

    Da treibt den Opa jetzt natürlich mehr um, als jede Benzinpumpe.

    Irgendwas ist immer...

  • tippe mal auf eine feste Benzinpumpe, ist nicht so ungewöhnlich nach der langen Standzeit

    Dann melde ich mich kurz doch nochmal. Du hast sehr wahrscheinlich Recht. Manchmal sehe ich ja den Wald vor Bäumen nicht. Ich muss nur messen, ob an dem Stecker (schwarz) Spannung anliegt. Da reicht eine Prüflampe. Das habe ich schnell noch gemacht, Ergebnis:


    Beim Einschalten der Zündung liegt ganz kurz (1 sec) Spannung an, Prüflampe leuchtet. Sobald ich den Startknopf betätige, liegt dauerhaft (etwas pulsierend) Spannung an.

    Dann baue ich demnächst die Pumpeneinheit aus und hoffe, dass man die zum Laufen bringen kann. Die ist nicht billig. € 385,18 bei Leebmann24.

  • tippe mal auf eine feste Benzinpumpe,

    Oder deren interne Elektrik oder der interne Schlauch gerissen, so ist es zumindest bei der 1-spark hier im Forum schon aufgetreten, vorausgesetzt es kommt die Versorgungsspannung an.

    Bez. des Fehlerauslesens könnte es auch ein Kabelbruch sein, wobei auch hier die 2-spark schon etwas besser aufgestellt sein sollte.

    Gute Genesung für den Enkel und dann für die F!

  • Meine Tochter sendet Entwarnung, der Kleine ist wieder fit und ich habe den heiligen Sonntag ignoriert, weil mich das Thema nun doch umtrieb.


    Diese Pumpen-/Gebereinheit ist schnell ausgebaut, durch die große Öffnung kann man den Tank bequem abschlauchen und innen reinigen. Es war erstaunlich wenig Kondenswasser drin (etwa 2EL)


    bp2.jpg bp4.jpg


    ti.jpg 15euro.jpg


    Die Pumpe ist mausetot. Bis auf die Gummilager, die schon sehr porös sind und den Filter der drunter war und zerbröselt ist, ist der Rest aber in Ordnung.


    Es gibt Ersatz von Hella, das gesamte Gestell plug and play für 150 Euro. Das ist allerdings etwas anders gebaut, vor allem der Füllstandsgeber und es gab einige Meldungen, dass die Warnleuchte für Kraftstoffmangel dann permanent leuchtet. Das ist natürlich Mist.


    Pumpe, Innenschlauch und Filter werden als Set für 38,99 bei ebay angeboten. Euro. Das werde ich beschaffen.

    Die Gummilager habe ich bei extra-classics für 6,95/Stück plus Versandkosten entdeckt.

    Einmal editiert, zuletzt von Sommeiller15 () aus folgendem Grund: Bezugsquelle für Gummilager gefunden