Dakar geht während der Fahrt aus und lässt sich nicht mehr anlassen - [Gelöst, Kabelbruch in der Benzinpumpe]

  • Mal wieder was aus der Reihe [Gelöst] wo die Lösung zum Problem schon im Eingangspost steht. Kommentare natürlich immer Willkommen, Fragen von Leuten mit ähnlichen Problemen ebenso.


    Was ist passiert: Man hat sich auf eine Ausfahrt getroffen und hat am Treffpunkt noch den Tank aufgefüllt. 12 Liter gutes Bleifrei 95. Nachdem alle da waren ging es über die AB in Richtung Jura. Als man die erste Jurakette in Angriff nehmen wollte ging der Motor aus und liess sich nicht mehr anlassen. D.h. der Anlasser drehte kräftig den Motor durch aber er sprang nicht an. Nicht einmal ansatzweise, so wie wenn die Zündunterbrechung aktiv wäre (z.B. Seitenständer unten). Bevor man sinnlos die Batterie leer orglete, tätigte man zwei Telefonate: Ein Anruf ging an mich (Ja, ich war nicht der Betroffene :giggle:) das andere an einen Kollegen mit einem VW Bus für den allfälligen Heimtransport. Der fuhr schon mal los.


    Von der Ferne mal geraten was es denn sein könnte. Eine ganz genaue Beschreibung hatte ich damals noch nicht. Nur, dass der Motor am Berg ausging und sich nicht mehr anlassen lässt.

    Das einzige, dass mir einfiel was man auch vor Ort beheben könnte, waren lose Batteriekontakte. Waren es nicht. Der Bus und die Dakar wurde heim gebracht. Dazu mussten Spiegel und das Windschild abmontiert werden.


    Ich hatte nun eine Woche Zeit einen Schlachtplan auszuhecken um rauszufeinden was es sein könnte und eine Liste mit Werkzeug und Reparaturmaterial zusammenstellen.


    Liste von Ursachen die mir in den Sinn kamen:

    - Generellle Elektrische Probleme

    -- Batteriefehler.

    -- Kabelbruch Zündschloss.

    -- Loser Massenaschluss.


    - Keine Zündung.

    -- Kaputte Zündkerze

    -- Seitenständerschalter oder dessen Diode : Von der Tugend des Wartens bzw. Das mysteriöse Leben der Kühlmitteltempertaur Warnleuchte [richtiges Startprozedere]

    -- Fehlendes Signal vom Kurbelwellensensor (inkl. Kabelbruch)..

    -- Fehlendes Signal vom Motorsteuergerät (inkl. Kabelbruch).


    - Keine Spirt

    -- Einspritzdüse defekt

    -- Benzinfilter/Druckiminderer defekt

    -- Benzinpumpe defekt

    -- Fehlendes Einspritzsignal vom Motorsteuergerät (inkl. Kabelbruch).

    -- Fehlendes Beniznpumpen signal vom Motorsteuergerät (inkl. Kabelbruch).


    Gestern nun am Patienten angekommen und mit der Fehlersuche angefangen. Als erstes mal geschaut wie sich das nicht Anlassen wollen anhört und fühlt. Zündung ein, gewartet bis die Kontrolleuchte aus ist und auf den Anlasser gedrückt. Es passiert was in solchen Fällen immer passiert: Vorführeffekt, Der Hobel sprang anstandslos an und lief im Leerlauf. Da die Dakar bekanntlich ab Werk kein Hauptständer hat, natürlich im N.


    Als erstes mal den Kabelbaum beim Zündschloss in die Finger genommen und daran rumgefummelt. Die Möhre fing an zu stottern und ging aus. Anlassen liess sie sich nun nicht mehr. D.h. der Anlasser drehte sauber den Motor durch aber er sprang nicht mehr an. SO, nun wollte ich eigentlich ein Mitbringsel aus den USA einsetzen:


    Wer das Ding genau anschaut wird evtl. das Problem erkennen. Gesehen? Nicht? O.k. das Ding ist für Zündkerzen mit Knubbel gedacht. Die D8EA der Single Spark ist aber knubbellos. Auf der einen Seite geht das Ding nicht in den Stecker, auf der andern hält es nicht auf der Zündkerzen. Pech gehabt. Da ich die Kerze nicht rausschrauben wollte und mir einen guten Schlachtplan zurecht gelegt hatte, hatte ich eine Ersatzkerze dabei. Mit diese auf klassischer weise gesteste ob es einen Funken gibt. Gab es. Kann immer noch die Kerze sein, aber die lies ich aus gewissen Gründen mal drin.


    Als nächste Amtshandlung dann an meinem "neuen" 13.8V/25A Speissegerät (Regelbar 3 - 15 V) den Krüppel SchuKo abgezwakt und ein Schweizer T13 montiert. Damit konnte ich mich nun in Ruhe die Zündung anlassen ohne dass ich mich um die Batterie sorgen mach musste. Die mitgenommene 50 Meter Kabelrolle hat sich auch bewährt.


    Als nächstes war die gute Einspritzdüse dran. Lufi Kasten abgebaut. Worauf mit ein relativ sauberes Drosselklappengehäuse entgegen schaut. Ich habe die beiden Schrauben von der Einspritzdüse gelöst, der Kollege inzwischen einen geeigneten Behälter gesucht in den man die Düse spritzen lasssen kann. Die Düse ab, und er Behälter da war, haben wir wiederum auf den Startknopf gedrückt und geschaut was dann die Düse so rausspritzt. Eine Refernz oder Vergleichswert hatten wir nicht aber wir waren beide der selben Meinung: Irgendwie Zuwenig. Wir haben als die Düse vom Schlauch genommen und mal geschaut was aus selbigen kommt. Resultat: Auch nicht viel. Jedenfalls entspricht dies nicht der Menge die bei 3,5 Bar bei diesem Schlauchquerschnitt kommen sollte.


    Wir taten also was man in solchen Situationen zu Pflegen tut und tippten auf das Falsche; Den Benzinfilter/Druckminderer der Original Jahrgang 2000 ist und seit fast 90'000 km seine Dienste tut. Wie es der Zufall will hatte ich einen ebensolchen an Lager. Kurz ins Auto gestiegen und den bei mir geholt. Nach dem dieser Angebaut war natürlich das selbe wie zuvor. Bzw. nun fast gar nichts mehr. Erst dann schauten wir was eigentlich die Benzinpumpe so an Sprit liefert. Fazit: Nichts. Ooops.


    Wir widmeten uns nun der Benzinpumpe und ihrer Ansteuerung.


    Hier zwei Punkt die bei der Single Spark speziell sind.

    Erstens, anders als bei anderen Motorrädern, läuft die Benzinpumpe bei nur eingeschaltener Zündung nicht. Sie läuft nur ganz kurz an wenn die Temperaturkontrolleuchte erlischt. Die Pumpe wird erst dan eingeschaltet wenn man auf dem Startknopf drückt, bzw. der Motor läuft.

    Zweitens scheint das hintere Rahmenteil/Heck vom Motor elektrisch getrennt zu sein. Jedenfalls habe ich zwischen Masse Batterie oder Motor und Rahmenheck einen Widerstand von ca. 7 kOhm gemessen.


    Nachdem wir obiges erkannt haben, war klar, dass die Verbindung und das Signal bis zum Stecker oben am Tank in Ordnung war. Der Huhn musste also im Tank begraben sein. Der lieder gut mit Benzin gefüllt war. Also die klassisch bewährte Ghettomethode (Bitte nicht zuhause nachmachen, Ausgebildete Profis waren da am Werk) mittels Schlauch und Kanister ein Teil des Sprits vom Tank abgelassen. Danach den Schraubring mit der im Klassing/Haynes erwähnten Schraubenzieher und Hammer Methode geöffnet. Ist der Ring erstmals weg kann man die Pumpe einfach rausziehen.


    Wir hatten keine Ahnung was für ein Geräusch die Pumpe beim Betrieb machen sollte. Wir legten einfach mal 12 V (bzw. 13,8 V) an die Anschlüsse. Die Pumpe wirrrrrrrrrrte auf, so dass ich erschrak und den Strom sofort wieder weg nam. So also sollte es sein. Also nochmals versucht aber nun passierte nichts mehr. Waren 13,8V evtl zu viel? Für so kurze, nicht einmal ein Sekunde? Nein, da muss was noch was anderes sein. Also noch mal Spannung angelegt und die Verkablung innerhalb der Pumpe angeschaut. Und siehe da: Eine der Beiden Litzen welche den Stecker am Deckel mit der Pumpe unten verbinden hatte einen Kabelbruch.


    Damit war der Fall klar, das Problem gefunden und die eigentliche Reparatur konnte beginnen. Da der Kabelbruch in der Nähe des Steckers bei der Pumpe war, haben wir diesen getrennt, die Kabel verlängert, zwei Kabelschuhe angecrimpt und diese bei der Pumpe eingesteckt,


    Ach ja,noch was letztes: Wenn die Pumpe kräftig gepumpt hat, bleibt der Druck noch relativ lange in den Schläuchen erhalten (die Schläuche dehnen sich leicht aus). Entfernt man dann ohne genug lange zu warten den Schlauch von Filter oder Einspritzdüse, so kann einem Benzin entgegen spritzen.

  • Vielen Dank für den Bericht. Irgendwie häufen sich dieses Jahr die Kabelbrüche an der Pumpe. Ein Kumpel von mir hatte das an Himmelfahrt (der Stecker an der Pumpe selbst) und hier im Forum hab ich das zwischenzeitig auch gelesen.