ABS hinten ausschalten?

  • Ist nicht möglich. Im "Gelände" ABS deaktivieren.

    Den Sensor am Hinterrad zu trennen führt zu Fehlermeldung, ABS und Tacho sind dann ohne Funktion.

    Nette Grüße vom Michel aus der Pfalz. :wave: 
    Head of F650 Forum :wink: 

  • Ich weiss nicht ob das im Gelände wirklich Sinn macht, bei einer Supermoto würde das aber auf jeden Fall Sinn machen.

    Ist von BMW aber nicht vorgesehen und wird vermutlich auch nicht "mit Tricks" möglich sein da sämtliche "Manipulationen", wie schon von Michel geschrieben, die dazu führen das das ABS nicht mehr funktioniert zu der Fehlerlampe und damit dem kompletten deaktivieren des Systems kommt.


    Wenn Dir eine solche Funktion wichtig ist wirst du das Fahrzeug und den Hersteller wechseln müssen. KTM bietet diese Möglichkeit bei seinen Straßenmodellen an, ob bei den Geländemodellen auch müsste ich selber erst nachschauen...

  • Ja, tun sie (KTM) . Und nicht nur die. Honda hat das bei den beiden CRF Modellen (250 und 1000) seit diesem Jahr auch. Ich kann mich auch erinnern, dass in der Motorrad in letzter Zeit öfter sowas drin stand.

    Sinn macht das auch definitiv. Hinterrad blockieren kann ganz sinnvoll sein in sehr lockerem Geläuf und lässt sich ganz gut kontrollieren. Vorderrad blockieren führt wenn man es nicht sehr zügig wieder löst immer zum Sturz.

    Bei der F funktioniert das aber nicht, da die ganze Funktionsweise in diesem Modell darauf basiert, die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen vorder-und Hinterrad zu ermitteln. Wenn der Unterschied zu groß wird, wird geregelt. Damit könnte das überhaupt nicht funktionieren. Moderne ABS funktionieren anders, die greifen auf sowas wie Kennfelder zurück.

  • Aha. Ich dachte man prüft die Impulse. Wenn die Null sind gibt man Bremse frei. Wohl zu einfach gedacht.

    Entstanden ist Idee dadurch dass ich nie ABS hatte. Ich bin mit dem alten Boxer überall gewesen. Bei Regen war das Bremsen immer sehr vorsichtig. Aber ich genieße das ABS bei Regen auf der Strasse. Nur auf lockeren Untergrund und Bergab macht das blockieren des Hinterrreifens spass. Das blockieren des Vorderrades hab ich im Enduropark gelernt. Nur da flog ich nicht mit meinem Bike. :saint: Und ich war auch nie allein.

  • Der Gedanke ist gar nicht so abwegig, aber tatsächlich zu einfach. Ich vermute dass die ersten ABS genau so funktioniert haben aber dann würde das ABS ja im Moment des blockierens erst kurz warten bis es merkt hey, Rad steht tatsächlich. Ich geb mal frei und bis das dann wirklich so weit ist, dass das Rad nicht mehr blockiert sind schon einige Millisekunden vergangen. Und dann beginnt die Prozedur wieder von vorne.

    Und genau diese Problematik ist der Grund, warum ABS Abstimmung so schwierig ist. Man will den Geachwindigkeitsgradienten so hoch wie möglich halten (also die negative Beschleunigung). Jetzt ist aber die Beschleunigung, die der Reifen auf die Straße bringen kann nicht konstant sondern ändert sich bei jedem Reifen, Untergrund und weiteren Einflussfaktoren wie Regen und Rollsplit. Wenn sie also die erlaubte Geschwindigkeitsänderung so niedrig ansetzen, dass auch bei Regen nicht ständig blockiert wird dann beschneiden sie die maximale Bremskraft auf trockener Straße. Wenn sie das zu hoch ansetzen hast du bei Regen blockierte Räder. Und dann gehen die Probleme weiter:im Regelbereich des ABS kommen ja überhaupt keine verlässlichen Werte mehr von den Sensoren, weil das Rad mehrmals pro Sekunde schneller und wieder langsamer wird. Da muss dann mit Durchschnittswerten gearbeitet werden.

  • Hinten und vorne parallel schalten kann nicht funktionieren und würde zu einem ganz miesen ABS führen. Die Bremskraft ist hinten und vorne unterschiedlich, aufgrund der dynamischen Achslastverteilung (beim Bremsen wird das Hinterrad entlastet und vorne steigt die Last an) hat man eine Bremskraftverteilung von bis zu 80:20

    Wenn man nun einfach parallel schalten würde, dann würde entweder hinten immer blockieren (weil die Bremskraft von vorne das Hinterrad zum blockieren bringt) oder der Bremsweg enorm lang werden (weil vorne mit der Bremskraft von hinten einfach so gut wie keine Wirkung erzielt wird).


    Die Gedanken zur Funktionsweise sind aber sonst nicht wirklich falsch: Sollte ein Rad blockieren (stehen bleiben) wird die Bremse dort kurzzeitig gelöst. Dies ist allerdings eine sehr rudimentäre ABS Funktionsweise und mag in den ersten Systemen vielleicht so einfach geregelt sein, mittlerweile ist die Regelung deutlich aufwendiger und es werden eben auch die Drehzahlen verglichen und ggf sogar noch weitere Sensoren wie Lagesensoren mit einbezogen. Ich habe es bei der BMW noch nicht ausprobiert, aber ich kenne z.B. andere 2 Räder, da kommt die ABS Lampe (und das ABS deaktiviert sich damit) wenn man auf dem Hauptständer Gas gibt und damit das Hinterrad schneller als xx km/h dreht während das Vorderrad sich nicht dreht.

    Es gibt meines Wissens nach sogar einzelne Fahrzeuge die ein System haben wie es im Flugzeug verbaut ist, dabei wird auf ca 20% schlupf geregelt da mit diesem Wert die Bremsverzögerung am höchsten ist. Dies wird auch wieder über den vergleich der unterschiedlichen Raddrehzahlen gemacht und ggf noch einer weiteren Raddrehzahlunabhängigen Geschwindigkeitsmessung, erfordert allerdings eine konstante Druckversorgung die man im normalfall im Auto/Motorrad nicht hat

  • Naja, eine F650 ist noch nicht wirklich hightech, da wird gebremst und beim blockieren aufgemacht und vermutlich auch noch die andere Raddrehzahl mit einbezogen...


    Schau da mal an was aktuelle Motorräder alles können, die haben verschiedenste Sensoren drin das das Motorrad bzw ABS in Kurven mit anderen Kennfeldern in Abhängigkeit der Schräglage arbeitet, das das ABS das heben des Hinterrades bis zu xx° zulässt oder auch nicht und das alles wird ggf sogar für beide Räder getrennt berechnet und wird entweder manuell ausgewählt oder sogar automatisch geregelt je nach Fahrmodi und Fahrzustand.

  • Merkwürdig, dass wir "Alten" so etwas früher gar nicht brauchten. Da hab ich was von Stotterbremse gelernt. Mein Heinkel-Roller hatte noch nicht einmal Scheibenbremsen. Na ja.. Da wurde man auch nicht vom GPS, Handy und schnellen Fahren abgelenkt.. Aber eins ist geblieben. (Gemütliches) fahren über Stock und Stein :giggle:

  • Naja, ob man es "nicht braucht" sei mal dahin gestellt, ein normales ABS hätte auch in den 50er Jahren sicherlich den einen oder anderen Unfall verhindert. Die entsprechenden Technischen Weiterentwicklungen sind dann aber ggf doch "unnötig" oder einfach den extrem gestiegenen Leistungen geschuldet. Mit einem heutigen "mittelklasse Sportmotorrad" hätte man vor 20 Jahren in der MotoGP oder vergleichbaren Rennserien sicherlich ganz vorne gestanden und da wir glaub alle kein Rossi sind und die Straße viel unberechenbarer ist als die Rennstrecke machen die Dinger schon sinn. Jemand der allerdings gemütlich am Sonntag ne runde "cruised" braucht sicherlich kein Schräglagen-ABS mit überschlagschutz der dem hinterrad nur bis zum winkel von 10° das steigen erlaubt und bei 25PS ist eine traktionskontrolle sicherlich auch nicht unbeding nötig ;)

  • Einzige Möglichkeit das ABS nur hinten auszuschalten (aber dauerhaft!):

    Die hintere Bremse nicht mehr durchs ABS-Modul laufen lassen.

    Soweit ich vermute, dürfte das gehen. Ob das aber tatsächlich so ist, weiß ich nicht...


    Dann könnte das ABS_Modul am Druck für die hintere Bremse gerne spielen, es würde nur passieren, was der Fuß vorgibt.

    Aber das will man ja dann auch nicht unbedingt. vom TÜV ganz zu schweigen.

  • Das wollte ich ja. Schotterberg vom Stand runterfahren finde ich einfach. In dem ich die Vorderbremse leicht ziehe sie unverändert lasse und mit Veränderung von Gas runter fahre. Unerwarteter Schotterberg runter führt bei mir zu unkontrollierten Adrinalinausschüttungen mangels Fahrpraxis. Und deshalb dachte ich mir. ABS = voll bremsen, stürzen kann ich ja nicht und das blockierende Hinterrad welches zum querrutschen führt ,kann ich mit dem Hintern steuern. Außerdem meine ich mir immer, das ein blockierendes Rad besser bremst. (Kopfkino). Den selben Berg bin ich mit ABS runter, dass Gefühl ist nicht gut, man glaubt der Bremsweg hört überhaupt nicht auf und unten muss ich abbiegen.

    Wie macht ihr das eigentlich?

  • Das ist auch mit eingeschaltetem ABS nicht sinnvoll bzw. möglicherweise unfahrbar.

    Bei losem oder rutschigem Untergrund blockiert das Rad ja quasi sofort und das ABS wird nicht mehr zulassen, dass du auch nur ansatzweise zum Stand kommst. Du wirst einfach immer schneller und das Motorrad gerät außer Kontrolle. Bei solchen Untergründen ist das sinnvollste, das ABS völlig tot zu legen.


    Ziehst du den vorderen Sensor ab, geht das System in Störung und der Tacho läuft problemlos weiter.

    Auch das vordere ABS sehe ich im Gelände als nicht sonderlich sinnvoll. Manchmal möchte man ja, wie oben bereits beschrieben, dass das Rad blockiert. Auch im Gelände sollte die meiste Bremskraft auf dem Vorderrad liegen, was hilfts da, wenn das permanent öffnet und keine Bremswirkung zulässt? :g:


    Solltest du komplett aufs ABS verzichten wollen, ist ein Ausbau ganz easy. Einfach von der Bremspumpe an den jeweiligen Bremszylinder direkte Leitungen legen. Wobei das bestimmt nicht dein Ziel ist, wie ich oben rauslas. :giggle:

    Gruß David :wave:



    M.C. Knitterfrei


    Der Verbrauch meiner Dakar... 

  • Anstelle des Steckers kann man auch die Sicherung für das ABS ziehen, normalerweise hat das seine eigene Sicherung (bei der F650GS habe ich mich noch nicht darum gekümmert, ich gehe aber davon aus das es da nicht anders sein wird) die man vor dem Geländewochenende einfach zieht und danach wieder steckt. Alternativ könnte man da auch noch einen Schalter in die Stromversorgung bauen so das man mit diesem dauerhaft das ABS ausschalten kann und nicht extra an den Sicherungskasten muss

  • Danke David. Wie fährt sich es denn auf einem nassen Fell? :victory:

    Gute Frage... Habe ich soweit ich mich erinnern kann noch nie gemusst. Ist aber auch schon lange her, dass ich das Fell drauf hatte. Bei Nässe wanderte es immer in den Koffer. :)



    Anstelle des Steckers kann man auch die Sicherung für das ABS ziehen, normalerweise hat das seine eigene Sicherung (bei der F650GS habe ich mich noch nicht darum gekümmert, ich gehe aber davon aus das es da nicht anders sein wird) die man vor dem Geländewochenende einfach zieht und danach wieder steckt. Alternativ könnte man da auch noch einen Schalter in die Stromversorgung bauen so das man mit diesem dauerhaft das ABS ausschalten kann und nicht extra an den Sicherungskasten muss

    Klar, das mit dem Schalter ist die beste Lösung. Moritz hat(te) das auch mal so umgesetzt.
    Ob eine Sicherung vorhanden ist, weiß ich nicht. Zumindest bei den vor MÜ Modellen m.W. nicht.

    Gruß David :wave:



    M.C. Knitterfrei


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