Andere Mütter und ihre Töchter

  • Eigentlich wollte ich nur mal was Anderes fahren. Seit 2013 habe ich den Führerschein und seit 2014 meine F 650 GS. Sie hat mich durch meine Anfängerjahre begleitet, während meiner Polentour, durch meinen ersten strömenden Regen und hat mich nie sitzen lassen. Ausser der F habe ich meine Z-irgenwas Fahrschulmaschine gefahren, eine GS500 und eine Dr. Big. Ausserhalb der Neugier, was stört mich an der F? Der angestrengte Einzylinder auf der Autobahn. Sonst nicht viel.


    Yamaha MT-07 / Tracer 700

    Die standen beide auf meiner ersten Liste. Der Händler sagte "Fahr beide und nimm die, die Dir eher zusagt." Ich habe zuerst die MT-07 genommen und bin mit der Erwartung ran "Die nimmste eh nicht, die ist ja komplett unverkleidet." Denkste:

    • Der Leerlauf springt rein! Kein Angeln nach der grünen Lampe an der Ampel.
    • Die Spiegel sind viel zu klein.
    • Ich sehe die Straße!
    • Das Motorrad ist so klein, kann man mit so einem Spielzeug-Geschoss wirklich fahren?
    • Meine Stiefel sind viel zu groß für den kleinen Ganghebel.
    • Die Sitzbank meinen die nicht ernst. Mein Hintern ist Fahrradsättel gewohnt aber das ist ja der pure Betonsitz!

    MT-07.jpg

    Am ersten Kreisverkehr legt sich die kleine wie von selbst in die Kurve und ich komme aus dem Grinsen nicht mehr raus! Die F in Schräglage zu bringen ist für mich Schwerstarbeit. Die MT will da selbst hin. Es ist genial. Und das geht weiter: Die MT sagt mir genau was auf der Straße los ist. "So, das ist etwas Pfütze und Wasser, fahr etwas links. Da war ein Gulli, da ist Dein Hinterrad kurz geschlupft. Der Asphalt hier ist gut, Grip ist da." Bei der F steht eine Instanz zwischen mir und der Straße: Oben bin ich, dann kommt viel Federweg, unten kommen die Reifen. Wenn ich oben was mache muss es unten stimmen. Bis die Rückmeldung von unten da ist liege ich schon. Bei der MT ist das direkter: "Du probierst gerade auf Matsch anzufahren. Dein Hinterrad leiert durch, Gas weg!"


    Alle meine Übungen die ich regelmäßig in meinem abgelegenen Kreisverkehr mache wie Runden in Schräglage drehen, wenden am Lenkanschlag, Vollbremsungen usw. geschehen mit der MT wie von selbst. Es ist unglaublich!


    Ich habe die MT zurückgebracht und bin dann mit der Tracer 700 gefahren. Ne! Das ganze schöne Gefühl von der MT war weg. Das Legen in die Kurve: Weg. Die direkte, knallige Rückmeldung von der Straße: Weg. Hinter dem Tank befindet sich ein großes, hässliches Loch. Darin ist der Tacho und das Zündschloss, es sieht aus wie ein unverkleidetes Handschuhfach. Es ist hässlich! Ne!

    Tracer 700.jpg

    Ich nehme die MT-07 und fahre mit der ein Wochenende.


    Erste und zweite Tour

    Die fehlende Scheibe ist mir egal. Das hätte ich nicht erwartet. Auf der MT habe ich zwar etwas Druck auf der Brust, das Windgeräusch ist aber nur ein sehr elegantes "Pfffffffff!". Die Tracer und die F nehmen den Druck zwar etwas weg, dafür wird der Luftstrom so verwirbelt dass es eigentlich permanent bollert. Merke: Ich fahre gerne Naked Bikes.

    Ich fühle mich auf der MT einfach zuhause. Alles geht leichter und macht mehr Spaß als auf der F. Wenden in einer engen Straße vor Publikum: Kein Problem. Spontane Bremsung und Abstecher in eine winzige Straße? Kein Problem, das Motorrad wendet auf einer Briefmarke. Währen der Tour heute hat es kurz geschüttet: Ich hatte Respekt vor der nassen Straße, aber ich wusste, wie weit ich gehen kann. (Innerorts. Ausserorts habe ich da immer noch Probleme.) Mich hat eine Rennmaschine überholt, nachdem der Fahrer einige km hinter mir her fuhr. Danach bin ich an ihm dran geblieben, habe mir seine Linienführung angesehen und bin ihm gefolgt. Das hat Spass gemacht! Die Vorderradbremse beisst wie Sau! Und ich kann sie an der Ampel benutzen ohne dass die ganze Hütte einfedert.

    Allerdings war ich nach den 150km viel, viel fertiger als nach einer Tour mit der F. Dieses ganze hochkonzentrierte Fahren macht Spaß, schlaucht mich aber auch. Dazu kommt der furchtbare Sitz! Aua! Morgen ziehe ich meine gepolsterte Fahrradhose an. Ich weiss nicht ob ich eine Tagestour mit 300km oder mehr auf der MT durchhalten würde. Sowohl von der Körperhaltung, also auch vom Fahrmodus. Damit meine ich, dass ich nicht in den Rennmodus schalte, sondern einfach dahingleite. Dass kann die Kleene nämlich auch. Auf der F kann ich einen ganzen Tag fahren und es tut mir überhaupt nichts weh.

    Auf der Autobahn war ich testweise bei 150. Das habe ich mit der F noch nie gemacht. Und wo man bei der F einfach den Rüssel in den Tank steckt und bei KLICK wieder raus zieht muss man bei der MT ganz genau dosieren und gucken, dass der Sprit an der Unterseite dieses kleinen Töpfchens da drin ist.

    Morgen fahre ich noch ein Tour und am Montag geht sie wieder zurück. Ich bin gespannt wie ich mich fühle, wenn ich wieder auf meine F steigen muss. Aber ich habe noch einige andere Motorräder vor mir:

    • Ich möchte noch etwas vergleichbares unverkleidetes Fahren: Honda CBR oder NC750S
    • Und etwas komplett Unverünnftiges: Die BWM NineT Scrambler
    • Dann den logischen Nachfolger der F: Die F700GS (oder 800GS)
    • Und noch ein Exemplar der Kategorie 700 Tracer: Vielleicht die NC750X
    • Und ich bin noch nie einen Cruiser der Kategorie Honda Rebel 500 gefahren.
  • Wenn Du eine Honda fahren willst, dann nimm auf jeden Fall eine mit DSG! Die NC750 bin ich selber schon gefahren, die X-ADV würde mich aber auch noch brennend interessieren. Aber schalte gleich auf Sportmodus, das Getriebe ist eindeutig zu sehr auf Spritsparen eingestellt und der Motor ist für das Tieftourige fahren dann doch etwas schwach untenrum...


    Ansonsten würde ich bei Yamaha auch eher zu den 3 Zylindern greifen, es gibt KEINEN Grund zu einem 2 Zylinder zu greifen wenn man auch einen 3 Zylinder haben kann :)


    Und wenn du an eine NineT Scrambler denkst, was spricht dann gegen eine Duc Scrambler? Oder Triumph hat da auch sehr interessantes im Angebot.

  • > Am ersten Kreisverkehr legt sich die kleine wie von selbst in die Kurve und ich komme aus dem Grinsen nicht mehr raus! Die F in Schräglage zu bringen ist für mich Schwerstarbeit. Die MT will da selbst hin. Es ist genial.


    Hallo Schaltfaul,

    super Dein Bericht !


    Und das mit der MT macht mich neugierig.


    Ich fahre meine F erst ~ 1500 km, und das seit fast 45 Jahren Biker-Auszeit. Bin also schon ein alter Knochen den nochmal der Hafer gestochen hat.


    Bei schneller Normalfahrt auf Straße fühle ich mich auf der F wohl und sicher.

    Allerdings bei engen Kurven (auch im Kreisverkehr) bin ich immer noch unsicher. Habe dann das Gefühl das das Hinterrad irgendwie schlingert und somit einen weichen zielgerichteten Lenkereinschlag entgegenwirkt.

    Auch habe ich die F gekauft um ab und zu mal in leichtes Gelände zu fahren. Doch auch da fühle ich mich mit ihr nicht wohl. Schon bei leichten seitlichen Wegschmieren des Hinterrades habe ich große Mühe die Karre in Spur zu halten.

    Übrigens achte ich sehr genau auf den richtigen Reifendruck, aber auch verschiedene auszuprobieren hat nichts besseres gebracht.


    Ja und bei schneller Kurvenfahrt oder beim Training von schnellen Ausweichmanövern (gerne vor Gullideckeln) emfinde ich die F ebenfalls als reichlich schwerfällig bzw unwillig. Wenn ich mich da an die alten Bikerzeiten erinnere.


    Ja ok, vielleicht bin ich wirklich zu alt, schließlich hat man nicht mehr die Kraft eines 25jährigen. Damals hatte ich meine Motorräder immer gut im Griff und fühlte mich in allen Situationen auf ihnen sauwohl.

    Auch ist mit bewußt das die F schon etwas kopflastiger ist als ein Boxer (hatte ich früher auch mal).


    Jedenfalls habe ich vor diese Saison erst mal meine F weiter zu genießen und zu prüfen. Meine ist Bj. 2004, mit jetzt ~16500 km noch fast jungfräulich und ich bin, was die Technik betrifft, ja durchaus zufrieden.

    Im Winter werde ich sie wieder auf "normal" tiefer legen (ist derzeit höher) , und ihr dann wahrscheinlich auch ein 15er Ritzel schenken. Mal schauen wie ich mich dann auf ihr fühle.

    Habe aber schon darüber nachgedacht mich vielleicht nochmal für eine andere Braut zu entscheiden.


    Dein Bericht trifft also bei mir genau ins Schwarze. Werde mal schauen ob ich die MT-07 auch mal Probefahren kann. Danke für den Bericht.


    Wäre toll wenn Du auch von anderen auszuprobierenden Töchtern berichtest. Du schreibst super, es macht Spaß es zu lesen.


    Allzeit gute Fuhre :thumbsup2:

  • Klasse Bericht. Alle aufgezählten >Töcher< stehen auch noch auf meiner Möchte gern probieren -Liste.

    Ich kann da nur mit den Berichten aus Zeitschriften und von anderen vergleichen. Die MT09 passt von den Poportionen besser als die kleine 07. Aber wenn man nicht ständig den Sportmudus bedienen möchte, wirkt der Motor dann doch etwas zu griffig. Ähnlich wie beim 2-takter. Die wollen getreten werden. Das muss man probieren.


    Der erste Eindruck ist wichtig. Es muss passen und nichts darf zwicken. Motorrad fahren ist ja sehr emotional, darf oder soll auch weh tun, dann ist das Abenteuer, Erlebnis auch echt und direkt, aber das kann auf Dauer dann doch die Freude eindämmen. Generell erlebe ich aber mehr auf einem Einzylinder. Vibrationen, Durchzug und Sound machen mir Freude.


    Die RnineT sieht richtig geil aus. Aber - Kniewinkel und nasse Straße (wegen dem fehlend Spritzschutz) ... geht gar nicht. Die Duc Scrambler soll auch sehr geil sein. Die Fahrleistung reicht da völlig.

    Aber auch die Vernünftigen Kofferraum. Hondas NC..750 würden mich interessieren ...



    Wenn man es sich leisten kann, nicht gleich die alte zu verkaufen, kann ich nur raten, die erst mal noch zu behalten und sich dann zu entscheiden.

    Die F650CS war meine erste F. So wie ich sie mir zurecht gemaht habe, hänge ich irgendwie dran. Die F650GS (meiner Frau) mit den 17Zöllern fällt auch (wie die CS) leicht in die Kurven. Meine GS mit 19 Zoll und den Scout-Reifen ist da schon viel störrischer. Aber auf schlechten Untergrund einfach genial.
    Und die Xcountry (von meinem Sohn), das Moutainbike mit Motor, 40kg leichter ... da fällt mir die MT07 als Vergleich ein. Aber ich glaube, dass die dann der schlechtere Kompromiss wäre ... aber das müsste man ausprobieren.


    Jedenfalls meine ich, dass wenn man mit einem unverkleideten kleinen wieseligen Motorrad jenseits von 130 /140km/h auf Dauer fahren will, durch den Winddruck der Oberkörper und die Arme dann einschlafen. Wenn man das besser haben will, wären es dann Brummer, die ich nicht haben will.


    Also Daumen hoch zu den oben genannten Töchter-Vergleich. Wollte ich auch alle genannten schon probiert haben.

    Ich schüssel immer noch mit den ganzen F-s, bin aber nicht unzufrieden.

    Ein Erlebnis-Eindruck packt mich aber immer wieder. Der Sound. Der SR-Racing bei meiner F650GS und CS ... da komme ich nicht von los.

    Und so hat jeder seine Vorlieben ...

    :wave:

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  • Dritte Tour, Rückgabe, wieder auf die F


    Am Sonntag bin ich 210km mit der MT rund um Köln gefahren. Das Motorrad passt perfekt zu mir. Nach den 210km tat mir allerdings trotz Fahrradhose der Hintern weh: Ganz oben an der Innenseite der Oberschenkel drücken beide Sitzkanten. Auf dem kleinen Hobel werde ich bedeutend weniger gegrüsst als wenn ich mit der F unterwegs bin. Vielleicht halten die anderen mich für nen Roller oder ich gucke nach unten oder vielleicht ist ein Typ mit Klapphelm und Endurohose auf nem Naked Bike verdächtig.


    MT07-2.jpg


    Hier ist die MT nochmal vor der romantischen Kulisse des Kraftwerks Niederaußem. Der Parkplatz befindet sich mitten in der Pampa, ist asphaltiert und ohne Rinnen, also perfekt zum Schräglage testen.


    Heute früh habe ich die MT wieder abgegeben und war sehr gespannt auf die ersten Meter mit meiner F. Sie stand während des Wochenendes vor dem Händler im Freien und wurde eingeregnet, während ich mich für 180€ mit einer Jüngeren vergnügt habe. :whistle: Sie nahm es nicht übel und ist angesprungen.

    Trotz aller beschriebenen Vorteile der MT bin ich aus dem Grinsen nicht mehr rausgekommen. Da oben auf dem schwankenden Reisepanzer ist einem wirklich alles egal. Straßenschäden? Pah. Die MT hat die Schlaglöcher ziemlich durchgereicht, ich habe öfters mal den Hintern gelupft. Und was mir noch nie aufgefallen ist: Der Motor klingt richtig gut. Selbst mit meinem Werksauspuff macht das Bollern mehr Spaß als der Zweizylinder. Die abendliche Ausfahrt von eben hat es mir bestätigt, dass ich nicht im geringsten dran denke, die F sofort zu verkaufen und mir was Anders zu holen. Es hat Jahre gebraucht bis ich das GPS samt Stromversorgung dorthin gedübelt habe wo es jetzt hängt, Das Topcase füllt sich auch nicht alleine mit dem lebenswichtigen Hausrat, den ich so durch die Gegend kutschiere. (Taschenlampe für das Ölstands-Loch, ich meine Dich!). Im Ernst, was fehlt mir? Die Ganganzeige, die zusätzliche Leistung war beim Überholen schon praktisch und ich mag immer noch nicht das Nachwippen der F beim Anhalten an der Ampel.


    Was mache ich also als Nächstes? Ich könnte die NineT Scrambler fahren. Die ist beim Händler um die Ecke sehr gut erreichbar. Der Preis liegt allerdings über dem was ich ausgeben würde, insofern wäre es nur eine Spaß-Probefahrt.


    Für Ducati, Honda und evtl. müsste ich nach Düsseldorf und das ist aufgrund des Berufsverkehrs vor/nach der Arbeit kein Spaß. Mich reizt momentan die Ducati Scrambler. Die Honda CBR und 750er sind etwas ähnlich zu dem, was ich bereits gefahren bin. Natürlich werde ich das DCT fahren, ich muss doch meinem Nick gerecht werden. Wenn ich wieder etwas fahre werde ich hier weiter schreiben, würde mich aber auch über andere Berichte freuen. Und es freut mich sehr, dass euch mein Bericht gefallen hat.

  • Hey Schaltfaul, ja ja, auch mit dem Fremdgehen, hat eben alles sein für und wider :S eben wie im richtigen Leben


    Unterdessen habe ich betreffs MT-O7 jede Menge gegooglet - - - ja sie wird tatsächlich immer wieder in höchsten Tönen gelobt.

    Bemängelt wird lediglich der harte Sitz, für manche der etwas zu schmale Lenker und das zu komfortable Fahrwerk, genau wie Du es empfunden hast. Das Fahrwerk läßt sich aber relativ einfach auf sportlich umbauen.

    Ausprobieren werde ich die MT-07 auf jeden Fall auch mal.


    Was mich betrifft, nun ja, wahrscheinlich brauch ich noch etwas mehr Praxis um mich mit diesen etwas ruppigen F-Eintopf auch beim Langsamfahren und beim engen Kurven Drehen anzufreunden und klarzukommen. Ist eben wie ein wilder Hengst der gezügelt werden muß, .... ihn unter sich zu spüren aber auch was Besonderes ist.


    Ubrigens, das für Dich leidliche Nachwippen der F beim Anhalten an der Ampel liegt am Fahr- besser Bremsstil, läßt sich leicht abmildern :wink:


    Danke für Deinen wieder super geschriebenen Bericht :clap1:

  • Ubrigens, das für Dich leidliche Nachwippen der F beim Anhalten an der Ampel liegt am Fahr- besser Bremsstil, läßt sich leicht abmildern

    In der Tat! Beim Bremsen einfach einen Ticken früher auf die Hinterradbremse bevor man vorne bremst und schon taucht das Motorrad vorne nicht so tief ein.
    Maßnahme zwei wäre ein Wechsel auf progressive Gabelfedern bei der nächsten Gabelrevision.

  • Achja, eine weitere Kandidatin die mich auch sehr interessieren würde und für Dich vielleicht auch was interessantes wäre da du den Einzylinder der F magst und das spielerische fast unanständige Fahrverhalten der MT:

    Schau mal ob Du einen KTM Händler in der nähe hast! Die Duke 390 muss sich scheinbar wie ein Fahrrad fahren und hat angeblich "nur" 43PS da sie von den A2 Leuten nicht mehr gefahren werden dürfte wenn sie mehr hätte weil sie so leicht ist. Und dann wäre da natürlich noch die Duke 690 mit dem LC4 Motor der dürfte richtig gut gehen ;)

    Das alles in einem Fahrwerk dessen Handling dafür gemacht wurde um in den Bergen alles zu vernichten und vermutlich mit jeder Supermoto mithalten kann mit seinen edelsten Komponenten...


    Die gibts übrigens auch ab Werk mit Akrapovic Anlage, da dürfte der große Eintopf dann richtig klingen ;)

  • Richtige Anzahl an eigenen Motorrädern = n+1


    Abwechslung dazukaufen, die BMW behalten.

    Wenn es der Platz erlaubt.

    Bei Ergänzung meines Fuhrparks würde ich mich derzeit eher beim Kaufpreis auf gut Abgehangenes beschränken, als eins meiner Mopetten für einen Neukauf abgeben zu müssen

    Gruß duneseeker


    "Werd' endlich erwachsen!"

    "War ich schon mal.... war doof."

    :wave:

  • Genauso. :thumbsup2:

    Wie weiter oben beschrieben, der begeisterte Versuch mit neueren, größeren, schnelleren Beispielen – und die Rückbesinnung zur vorhandenen Fahrmaschine.

    In meinem Bekanntenkreis erlebe ich so manchesmal den Wechsel zu Größerem. Aber auch das Nachlassen der Fahr-Häufigkeit und irgendwann der Freude.



    Manchmal ist es im Freizeitsektor recht ähnlich. Auch beim Wohnwagen oder Wohnmobil ist der Drang nach mehr Luxus und Bequemlichkeit, mit der Abnahme der Aktivität und Beweglichkeit geschuldet.


    Auch mein kleiner Fuhrpark ist um einiges günstiger als eine neue R-1200-irgendwas.

    Diese Sichtweise ist vielleicht hilfreich, wenn man nicht genau weiß ob man etwas anderes will oder sich leisten will. :wave:

  • Ducati Monster 797

    Ich wollte mir heute bei Ducati eine Scrambler ansehen. Im Laden stand ein Cafe Racer und ein(e?) Desert Sled, die mir sehr vom Aussehen zusagt.

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    Der Desert Sled war einem Kunden zur Probefahrt versprochen, der auch sogleich eintraf. Ich habe mich mal auf den Cafe Racer gesetzt, war aber jetzt nicht so begeistert. Dieser war auch zu 99% schon verkauft. Da nicht mal mehr ein Scrambler-Prospekt vorrätig war nehme ich an, dass die Teile auch ohne mich wie geschnitten Brot weggehen.


    Der Verkäufer bot mir an, doch mal die Monster 797 Probe zu fahren. Der Motor sei identisch mit dem in den Scramblern verbauten. Sehr nett, klar mache ich das.


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    Ok, also so fühlt es sich an, wenn es mit dem Motorrad nicht passt. Der Motor mag kein untertouriges Fahren, das quittiert er mit einem strafenden Ruckeln. Da das Fahrwerk ebenfalls sehr stramm ist und jede kleine Bodenwelle direkt weiter reicht bin ich mit einem permanent ruckelnden Gefühl durch die Stadt gefahren. Ich wusste aber nie ob es jetzt vom Motor oder vom Fahrwerk kommt.


    Die Sitzhaltung ist etwas "Aggro", so nenne ich das mal. Nach vorne gebeugt, immer mit dem Drang, sich in die nächste Kurve zu legen. Wenn man es erst mal raus hat und den Motor anständig tritt macht das Motorrad auch Spaß. Dieser Stil ist aber nichts für mich. Ich möchte mit einem Motorrad auch mal ruhig durch die Lande fahren und ihm nicht permanent die Sporen geben.


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    Den Digitaltacho fand ich billig. Die Hupe ist dort, wo bei der F der Blinker ist umd umgekehrt. Der Klang ist ziemlich geil, ein Gasstoß an der Ampel hat schon was. Am Ende der 90minüten Fahrt habe ich mich an das Krad gewöhnt, aber es kam kaum etwas Emotionales rüber.


    Der Desert Sled Testfahrer und ich sind gleichzeitig wieder von der Probefahrt gekommen. Wir haben noch etwas Benzin geredet. Ich weiss jetzt, dass die MT-07 und die Ducati beide Zweizylinder sind. Die MT-07 konnte ich ganz normal fahren (musste sie also nicht "treten). Sie hat einen Reihen-Zweizylinder mit 270° versetzter Kurbelwelle. Bei dem Ducati-Zweizylinder sind allerdings die Zylinder nicht parallel angeordnet, sondern um 90° versetzt. Das klingt cooler und man muss ihm mehr Drehzahl geben? Ich lerne noch.


    Die Rückbesinnung auf etwas Bewährtes, wie bpausb schrieb, ist sehr wichtig. Diese nebeneinander aufgereihten, hochglanzpolierten Motorräder. Die unglaubliche Vielfalt von Marken, multipliziert mit der Anzahl der möglichen Modellreihen, die man alle ausprobieren kann. Wie ein Kind im Spielzeugladen! Und wehe, man findet nicht das Beste, sondern nur das Zweitbeste. Dann die bunten Prospekte und Websites mit den perfekten Menschen, die nur mit diesem Gefährt die tollsten Abenteuer erleben. Die "aktuellste 2017er Maschine". Denke er nicht mal im Traum daran, etwas Gebrauchtes von 2016 oder noch Schlimmer zu kaufen! Diese Verkaufsmaschine wirkt bei mir. In diesem Moment hilft nur eines: Wegfahren. Mit dem eigenen Motorrad. Und da es so eine treue Maschine ist gibts nächste Woche einen Satz progressive Gabelfedern.


    Christian

  • BMW R NineT pure

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    Wenn ich die 10-12k€ für dieses Schmuckstück ausgeben würde, dann würde ich erst mal meine Garage mit Holz vertäfeln. Für die Rückwand würde ich einen Wandteppich mit BMW-Logo in Auftrag geben. Rechts und links käme ein Kerzenständer hin, ein schwerer Teppich müsste rein, dazu ein Ohrensessel für mich und ein kleiner Abstelltisch für das Glas Portwein. Dann würde ich mir die NineT unter einer Abdeckplane liefern lassen, sie in die Garage stellen und sie mir jeden Abend angucken. Nach 10 Jahren hätte sie dann 160km von den Fahrten zur Durchsicht und zum TÜV auf dem Tacho.


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    Ich finde die todschick. Die Linienführung, die Farbgebung, sie ist kompakt aus und leistungsmäßig doch ein echtes Monster. Es gibt keinen Drehzahlmesser, keine Gang- und keine Spritanzeige. Nur der Lenkungsdämpfer passt nicht in das Ensemble, er sieht aus wie ein Teil wo sich die R abstützen soll, wenn sie nach rechts umfällt.


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    Damit bin ich bei meiner ersten Begegnung mit dem Boxer. Man merkt, wie die Zylinder nach links und rechts wummern. Bei einem Gasstoß an der Ampel gibt es ein leichtes Drehmoment des Motorrads nach rechts. Das wars eigentlich. Ich mag den Motor und insbesondere den Klang. Im Gegensatz zum 83metoo fand ich die Lautstärke nicht übertrieben sondern richtig klasse. Selbst beim Beschleunigen ab 120 auf der Autobahn fängt nicht einfach alles an zu brüllen sondern der Topf röhrt genau so wie bei 60. Die NineT ist zum angeben: Guck her, geile Kiste! Wenn Du nicht guckst: Wrumm!!! BMW hat das toll gemacht.


    Fahrseitig bin ich gut mit ihr zurecht gekommen. Ich hatte eine Stunde, das Kurvenfahren war kein Problem, sie legt sich schön rein, ich hatte Angst, mit den Zylindern auf den Fußboden zu kommen. (Nachdem ich mir einige Videos angesehen habe war diese Angst unbegründet.) Nach der Stunde war ich eins mit ihr. Die Sitzposition ist mir etwas zu weit nach vorn gebeugt, meine Handgelenke fingen an zu drücken. Die Schaltung ist nicht so exakt wie ich es von einem neuen Motorrad gewohnt wäre, aber noch Welten besser als die Schaltung meiner F. Als ich auf die zurück gekehrt bin hat mir nur der geile Auspuffsound gefehlt. Die bequeme Sofahaltung und Sänftenfederung meiner F gefällt mir auch besser.


    Ich glaube, ich hebe mir die NineT, insbesondere den Scrambler, als Traum-Motorrad für später auf.

  • Haste wieder gut ge- bzw beschrieben --- hast Talent dafür.


    Ich war heute auch im BMW- Motorradhaus. Na Frauchen war dabei, da konnte ich dort nicht so allzuviel Zeit verbringen.

    Jedenfalls spürte ich wie die teils futuristischen Geschosse einen gefangen nehmen, Ehrfurcht verbreiten, einen ein suggerieren, müßte ich haben.


    Aber Gott sei dank siegt dann der Verstand. Hab ich doch ein zwar in die Jahre gekommennes aber munteres zuverlässiges Pferdchen, eines mit dem ich sehr schöne Zeiten verbringe und welches meinen Ansprüchen mehr wie genug genügt. Ich fahre sie nun ein halbes Jahr und langsam lern ich das spezielle Eintopf-Gebaren zu lieben.

    Also nix da mit Fremdgehen, ich bleib bei meiner Schnieken.


    Aber schön solche Berichte wie Deine zu lesen, man lernt dazu, weitet seinen Horizont.

  • Ach das freut mich doch das es gefällt. Ich schreibs auch nur auf weil meine Frau gesagt hat, ich soll mir aufschreiben wie ich die Motorräder so finde. Und da es schade drum wäre wenn es auf meiner Festplatte vergammelt poste ich es hier, wo vielleicht noch Andere etwas von haben.


    KTM Duke 390 und 690

    Nach der Probefahrt mit beiden KTMs bin ich erstmalig auf meine F gestiegen und dachte: "Hm. Deine Maschine ist ganz schön alt. Und die Knie hast Du auch um die Ohren." Aber von vorne.


    Ich habe mich für eine Probefahrt mit einer KTM Duke 390 und danach mit einer Duke 690 (Nicht-R) angemeldet. Die Probefahrt kostet dort im übrigen 10€/h die beim Kauf angerechnet werden. Dafür muss man nicht tanken. Alle anderen Vermieter wollten bisher, dass ich sie mit dem selben Füllstand zurückgebe. Dazu muss man zunächst in seiner Stunde Fahrzeit noch eine Tankstelle suchen. Ich fahre ca. 30km in der Stunde, bei geschätzten 5l/100km sind das 1,5l. Ich tanke 1,5l, bezahle 1,95€ und ignoriere das fragende Gesicht hinter dem Thresen. Dazu Vollkasko mit 2000€ Selbstbeteiligung. Egal. Zurück zu KTM.


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    Die Duke 390 hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein kleines, niedliches, handliches Motorrad mit einem großen TFT-Display. Es sieht ein bißchen so aus, als fährt man ein Tablet spazieren. Das Display weist z. B. mit gelber Schrift drauf hin, dass doch der Seitenständer ausgeklappt ist. Neben den umfangreichen Kilometerzählern, Verbrauchs- und Reichenweitenanzeige etc. kann man kann Gags wie Schaltblitze programmieren und eine Audioansteuerung eines Bluetooth-Helm-Sets ist auch möglich. Sobald man sich in Bewegung setzt blendet sich das OPTIONEN-Menü dann automatisch aus: So weist einen KTM drauf hin, dass man sich bitte auf die Strasse konzentrieren soll. Ein Navi da drauf wäre toll, ich mag keine Montageplätze und 12V-Steckdosen mehr suchen. Ich hatte keine Probleme mit der Ablesbarkeit des Displays.


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    Die Probefahrt hatte etwas von "Ankommen, zuhause fühlen" wie es auch auf der MT-07 war. Die Sitzhaltung ist sehr angenehm: Der Oberkörper ist ziemlich aufrecht, die Beine klappen etwas nach hinten weg. Man fährt wie ein Zentaur. Diese Sitzposition hat mir auf meiner F danach gefehlt, meine Knie kamen mir plötzlich sehr angewinkelt vor.


    Der Motor klingt gut und ich habe mich während der Fahrt richtig dran gewöhnt. Beim ersten Anlassen der 690er dachte ich "Was ist das denn...", ich war ziemlich enttäuscht. Beim Gasgeben bollert sie dann aber irgendwie tiefer und doch ziemlich angenehm.


    Hier ein Link zu einem kurze Video der 390er.


    Hier das Video zur 690er.


    Von der Handhabung hat mir die 390er eindeutig besser gefallen. Meine Befürchtung, dass der Motor nicht für die Autobahn reiche, stimmte nicht: Man nimmt den 6. Gang und schwimmt mindestens so gut bei 100-120 mit wie auf der F. An Kreisverkehren und Kehren usw. konnte ich in der Stunde nicht viel ausprobieren, aber was ich probiert habe funktionierte sehr gut. Die Bremse reicht mir, die Beschleunigung ebenfalls. Da die 390er doch in die engere Wahl kommt würde ich sie mir nochmals länger leihen und dann die Tourenfähigkeit testen (Wie gehts meinem Hintern und mir nach einem Tag?) und die Beschleunigung (Reserve beim Autobahn- und Landstraßen-überholen) ausprobieren. Gerade die großen Reserven haben mir an der MT-07 gut gefallen und die beiden Maschinen rangieren bei mir so auf einer Ebene. Was wirklich nervig und nicht abstellbar ist, ist der Lüfter. Er geht oft an und wenn, dann ist er sehr laut. Mit "oft" meine ich: 10s nach dem Ampelstopp geht er an. Aussentemperatur war so 24°C während der Probefahrt.


    Zur 690er: Den Klang des Motors fand ich beim ersten Anlassen wie gesagt gruselig. Die Fussbremse war viel zu hoch eingestellt, ich konnte nicht mit der Hacke auf die Raste und dann auf die Bremse treten, ich musste den kompletten Fuss hochheben. Bei beiden Motorrädern musste man sehr filigran an der Ampel nach dem Leerlauf angeln, die 690er war da noch ein bisschen empfindlicher. Auch mochte die 690er absolut kein untertouriges Fahren. Bei 60 im vierten dahindümpeln und dann Beschleunigen? Neee, eine mürrisches Ruckeln sagt einem, das man lieber mal einen runter schalten sollte.


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    Der Lenker der 690er vermittelte mir das Gefühl, er sei nach vorne gebogen, als fahre ich mit einem nach vorne offenen U durch die Gegend. Ich habe wirklich nach 10 Minuten gedacht, die Probefahrt kannst Du Dir schenken, bring sie zurück. Habe ich nicht gemacht und nach einer Weile gaben sich diese Anfangsschwierigkeiten. Ich kam mit dem Motorrad klar, es hat aber ausdrücklich nicht so geklickt wie bei der 390er. Die Bremse vorn quietschte (die Werkstatt schaut nach), der Motor klingt im Leerlauf anders wenn man die Kupplung zieht (Das ist der Ausrücker, das ist so) und das Bremspedal könne man auch anders einstellen. Das ist alles in Ordnung, aber irgendwie habe ich meine Herz an die Kleine verloren.


    Zwei Tage später mag ich die 390 immer noch, aber auch meine F habe ich nach der heutigen Ausfahrt wieder ins Herz geschlossen. Ausserdem kostet sie mit 5400€ neu nicht so viel. Trotzdem stelle ich mir einige Fragen:

    • Es ist wieder ein Eintopf. Ich bin bis jetzt nur Einzylinder gefahren, einschließlich dem Esser...
    • Es wären weniger PS als momentan. Aber es muss doch immer weiter, nach vorne und schneller werden?
    • Wie würde sich die 390 auf einer längeren Tour wie meiner Polentour machen? Es gibt kleine Packtaschen, aber die haben nie die Kapazität meiner momentanen Taschen. Andererseits, eine Gepäckrolle für den Soziussitz wird auch hier gehen.
    • Die F ist ziemlich bequem gefedert, wie gehts mir nach mehreren Tagen auf der KTM?
    • Ich mag die KTM-CI mit ihrem Orange nicht. Das Motorrad sieht zusammengestückelt aus, da zu dem schwarz-orange noch das weisse Heck hinzugefügt wurde. Und die Felgen in Orange, hup Holland hup...
  • Hallo Schaltfaul!


    Danke für die Berichte. Schon mal die Kawa Z650 angeschaut? In der Motorrad News ist ein Test gegen die kleine Monster und die Honda CB650, da kommt sie ziemlich gut weg. Gefallen würden mir alle drei, wenngleich ich als bekennender Fan der narrensicher funktionierenden und dabei gerne etwas "langweiligen" Technik nicht die Duc nehmen würde. Ich glaube auch, daß schneller, höher, weiter nicht sein muß. Fahre seit ca. 25 Jahren Motorrad und bin immer noch sehr gerne mit 50PS oder auch weniger unterwegs. Solange man selten in Gruppen fährt, kann einem auch weniger Leistung genügen. Wenn man mithalten muss oder möchte, sieht es wohl anders aus.


    PS: Mein Favorit der KTMs wäre wohl auch die 390, aber der Rücklichthalter im Besenstieldesign sieht schon schauderlich aus.


    Weiterhin viel Spass beim Probefahren, Hirnen und Auswählen!


    Gruß Joachim

  • R NINE T....

    im Läwwe ned kummt die mir als nr3 in Kuhstall näwwe moi aal Gummikuh unn es Kälble


    wenn ich zittern und Bums haben möchte...BJ 86 ist ganzjährig angemeldet und zudem noch langstreckentauglich,auch mit Sozia


    eleventuell könnte ich mir ne Bella Donna (MOTO GUZZI STELVIO)als Drittmoped vorstellen

    Handling vom Kälble und Bums bis zum abwinken ala Gummikuh


    sitz,Ergo....hey...1,86 wolle guud untergebracht werde,grad mit 57 Lenze am tacho....da kann R NINE T mal gonz billisch abstinke gehe:rofl:

  • Honda CMX 500 Rebel

    "Es tut mir leid, Herr Schaltfaul, wir haben keine Rebel zum probefahren. Ich weiss nicht, wer Ihnen diesen Termin gegeben hat. Wir hatten eine immense Nachfrage nach der Rebel, wir haben die sofort höchstbietend weiter verkauft und nicht mal eine zum probefahren angemeldet."


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    Nun gut. Ich habe mich sehr auf die Probefahrt der Rebel gefreut. Egal. Etwas angepisst stieg ich auf meinen Plan B.

    Honda NC750X DCT


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    500 Meter hat es gebraucht. 500 Meter im Düsseldorfer Stadtverkehr zwischen "So ein Mist, das kaufe ich mir nicht, ich bin doch nicht zu doof zum Schalten..." zu "Ist das genial! Nie wieder was Anderes!" Im Ernst, wenn die NC750, dann mit DCT. Das DCT ist für mich ein Grund, sich die NC zu holen. Ohne DCT finde ich sie ok, würde aber definitiv noch andere Reiseenduros fahren wollen. Gerade die F700/800. Mit DCT erhält man folgende Vorteile:

    • Kein Hoch- und Runterschalten im Stadtverkehr.
    • Man kann sich auf Lenken, Blinken, Gucken und Fahren konzentrieren.
    • Kein Angeln nach dem Leerlauf an der Ampel. Kein Kupplung halten, wenn man ihn nicht findet.
    • Keine krampfige linke Hand beim langsam Fahren durch die schleifende Kupplung.
    • Keine Ausrede beim Grüßen anderer Biker. Jetzt wird großflächig gewunken!

    Ich habe die ganze Zeit den D-Modus benutzt. Der manuelle Modus funktioniert natürlich auch. Wenn man ein Vollbremsung im manuellen Modus macht schaltet die Honda trotzdem automatisch mit runter. Man beginnt die Bremsung im vierten Gang und landet im Ersten, ohne dass man geschaltet hätte. Geil! Aber warum sollte ich denn noch von Hand schalten? Ich bin an meinem Forumsnamen näher dran als ich dachte. Durch das fehlende Schalten empfand ich das Fahren als sehr entspannend. Es gibt einen D-Modus, in dem ich mich meistens herumgetrieben habe. Weiterhin gibt es noch drei S-Modi, die ich nicht ausprobiert habe. Und einen Taster, der in den manuellen Modus und zurück schaltet. Und eine Handbremse gibt es auch, um das Einlegen des Ganges am Berg zu simulieren. Steht man an der Ampel muss man die Bremse nicht ziehen, das Standgas reicht aus, um die Honda nicht losrollen zu lassen. Will man mit einem Gasstoß angeben fährt der Hobel natürlich los ;) Aber das will man nicht, die Kiste klingt nach nix.


    Die Sitzposition ist so unauffällig gut das ich nicht wüsste, was es daran auszusetzen gäbe. Mein Knackpunkt war, als ich aus Düsseldorf raus war und die Autobahn ansteuerte. Alles floss, nichts störte, das kleine Schild nahm ausreichend Druck weg, in diesem Moment hätte ich endlos weiter fahren können. Genug Leistung zum Mitschwimmen und Überholen ist vorhanden.


    Was gibt es Nachteiliges? Sie ist mit 230kg mit DCT ziemlich schwer. Während der Fahrt habe ich das nicht gemerkt, vermutlich kommt das dann, wenn ich sie in die Garage schiebe. Sie ist echt keine Schönheit. Es ist ein zweckmäßiges japanisches Motorrad. Sie hat keine Ecken und Kanten, macht alles richtig und wird mich unterm Strich von A nach B bringen. Super...


    Das Helmfach ist witzig. Mein Helm passt, insgesamt ist etwas weniger Platz als in meinem BWM Topcase, ich müsste meinen Hausrat etwas ausdünnen.


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    Da ich ja noch eine Stunde Zeit hatte habe ich mir die


    NC750S ohne DCT

    geliehen. Ich erwartete einen kleinen, wendigen Straßenflitzer a la MT-07 oder Duke. Das ist sie gar nicht. Ich hatte das Gefühl, als befinde sich bei ihr ein großer, schwerer Stein an der Stelle, wo der angedeutete Tank ist. Der drückt das Vorderrad so auf den Boden, dass sich der Lenker schwer drehen lässt. Anders kann ich es nicht beschreiben. Wie immer, nach einer Weile wurde ich auch mit ihr warm, und es machte Spaß aber wenn ich ein Naked Bike wöllte wäre die S meine letzte Wahl. Sie klang ziemlich gut, besser als die X, die einen Akrapovic hatte. Erstmalig habe ich das "Schmale Drehzahlband" der F bemerkt: Konnte ich beim Ampelstart mit der NC750 endlos beschleunigen ohne zu schalten rannte die F ziemlich bald in eine Wand, brachte keine Leistung mehr und brüllte nur noch. Nach dem Hochschalten gings dann wieder.


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    Der Zwischenstand: Wenn mir meine F heute geklaut werden würde würde ich mir direkt die Trommelwirbel NC750X DCT kaufen. Auf Platz zwei die Tusch Ducati! Hä? Wie? Die Ducati? Die steht doch weiter oben unter Igittigitt? Ich verstehe es auch nicht. Die Dukes, die MT07 und die NineT sind in meiner Erinnerung irgendwo unter Ferner Liefen, aber ich denke oft an die Honda. Weil das Fahren so Einfach ist. Und an die Ducati. Vielleich weil sie gut aussieht. Vielleicht hatte mich der Motorsound beeindruckt. Ich würde sich sicherlich nicht direkt kaufen, aber ich würde definitiv noch mal die große und die kleinere Ducati Probe fahren wollen.

  • Hat Dir die Schaltabstufung der DCT in D gepasst? Mir kam es immer so vor das sie zum zwanghaften Spritsparen ein Gang zu hoch sei weswegen ich auf S gestellt hatte, dabei hat sie mir dann aber beim entspannten beschleunigen etwas zu hoch ausgedreht...

    So ganz gelungen fand ich die Abstimmung nicht, allerdings ist das jetzt glaub auch 1 oder 2 Jahre her, vielleicht gab es ja mittlerweile Softwareupdates da sich über die Punkte relativ viele inkl Presse beschwert hatten...

  • Die Erfahrungen zum DCT kann ich weitestgehend nur bestätigen. Ich war Anfang des Jahres glücklich mit der Dakar und dachte mir dann einfach nur ne Probefahrt kostet ja nix. Also zu Honda hin und die Africa Twin mit DCT mal Entjungfert (erste Probefahrt des Jahres). Im Berliner Stadtverkehr auf ne kleine 2h Runde aufgebrochen. Alter war das genial. Mit der linken Hand ins Leere gegriffen habe ich genau 1 mal, am Anfang der ersten Probefahrt. Danach war es einfach nur noch befreiend, überhaupt keine Gedanken mehr an die linke Hand und den linken Fuß verschwenden zu müssen. Sie war nur innerorts etwas untertourig. Dann den S1 Modus entdeckt und sie hat quasi exakt so geschaltet wie ich es getan hätte. Habe eine Woche später noch die Jungfernfahrt auf der nicht DCT gemacht aber der Entschluss war eigentlich schon gefasst. Naja und dann hab ich sie gekauft. Nicht nur wegen des DCT aber das war definitiv ne gute Entscheidung. Ich hab auf meiner eigenen jetzt schon fast 10.000km drauf und bin immernoch begeistert von dem Ding. Wobei ich für die Stadt wegen Handlichkeit und Breite inzwischen die Offroad Mopete CRF250L nehme.


    Nach knapp 10.000km DCT auf der AT bin ich immernoch begeistert auf langen Touren. Wenn's etwas bergiger wird nimmt man den S2 Modus, ansonsten den S1. Für totalen Angriffsmodus geht auch S3 aber so fahr ich nicht. Manuell auch gelegentlich zum überholen, damit die Leistung jederzeit abrufbar ist und sie nicht erst runter schalten muss. Man muss allerdings etwas damit umgehen können, das DCT reagiert nämlich auch auf Bremse und Gas. Also wenn man stark bremst schaltet sie früher runter und man kann am Kurvenausgsng richtig losziehen. Wenn man richtig los zieht (also Gas stärker aufdreht) und das Gas wieder weg nimmt bleibt sie noch ein paar Sekunden im niedrigen Gang, weil sie dann den "Angriffsmodus" entdeckt hat. Eine kurvige, Nicht-Serpentinen Strecke wird sie die ganze Zeit im 2. Oder 3. Gang durchfahren. Man kann aber jederzeit über die Taster nachkorrigieren ohne dass deswegen der Automatikmodus aus gehen würde.


    Trotz meiner jungen 28 Jahre vermisse ich die Schaltung überhaupt nicht. Übrigens deckt sich das mit den meisten DCT Fahrern im Forum. Anfängliche Skepsis ist totaler Begeisterung gewichen.


    Mit dem Rest des Moppeds bin ich übrigens auch glücklich :)